Könnte das Stadtbussystem 1.0 heute noch zukunftstauglich sein? Für Ines Bender stellt die Rückkehr keine realistische Option mehr dar!

Könnte das Stadtbussystem 1.0 heute noch zukunftstauglich sein? Für Ines Bender stellt die Rückkehr keine realistische Option mehr dar!

SCHWEINFURT – Ines C. Bender, einst Initiatorin des Bürgerbegehrens für eine Rückkehr zum alten Schweinfurter Stadtbussystem, hat nun ausgearbeitet, weswegen es keine zukunftsweisende Option mehr gewesen wäre, darauf zu setzen.

„Die ganzen Zusammenhänge ergaben sich für die Vertreter des Bürgerbegehrens erst aus den Gesprächen mit den Stadtwerken und der Stadtverwaltung. Und an einer solchen Stelle ist es gut, neue Erkenntnisse zu berücksichtigen und eventuell auch seinen Standpunkt anzupassen“, schreibt sie nach der Rücknahme in einer Pressemeldung an die Medien. Darin heißt es:

Man muss sich vor Augen halten, dass ein durch einen Bürgerentscheid herbeigeführter Beschluss eine rechtliche Bindungswirkung von lediglich 12 Monaten hat. Nach dieser Frist können erneute Veränderungen beschlossen werden. Wenn sich daher ein Beschluss in der Umsetzung nicht bewährt, wird er nach 12 Monaten wieder revidiert werden.

Was waren die Hintergründe für die Umstellung auf den Stadtbus 2.0?

Um es in einem Satz zusammenzufassen: das alte Stadtbussystem war zu unzuverlässig und zugleich zu teuer geworden.

Spätestens nach der Corona-Pandemie wurden massive Probleme des alten Stadtbussystems offensichtlich:

  • Seit Jahren war das Stadtbussystem nicht mehr aktualisiert und angepasst worden auf Veränderungen wie die Einführung der Tempo-30-Zone in der Innenstadt, verbunden mit der Rechts-vor-links-Regelung. Der vermehrte Lieferverkehr aufgrund des Online-Handels führte immer häufiger zu Behinderungen.
  • Die Folge war eine zunehmende Unpünktlichkeit der Busse.
  • Kontinuierlich gingen dem Stadtbus Kunden verloren.
  • Zugleich waren die Arbeitsbedingungen für die Busfahrer nicht mehr zeitgemäß und mussten dringend verbessert werden.

Mit den Vertretern der Busfahrer und dem Betriebsrat wurden Verbesserungen für die Busfahrer verhandelt und vertraglich vereinbart. Diese Verbesserungen schlagen sich in den Dienstplänen nieder, denen der Betriebsrat zustimmen muss.

Ohne diese Anpassungen und Verbesserungen hätten die Stadtwerke keine attraktiven Arbeitsbedingungen mehr anbieten können. Der Markt für Busfahrer ist heiß umkämpft. und zu schlechten Bedingungen würde kein Busfahrer mehr in Schweinfurt fahren wollen.

Parallel hätte das Liniennetz dringend aktualisiert und an die äußeren Veränderungen angepasst werden müssen. Beim Durchrechnen dieser Veränderungen ergaben sich erhebliche Kostensteigerungen.

Der Kostenrahmen für das Bussystem ist jedoch gedeckelt; wenn Zusatzkosten bei den Busfahrern unvermeidlich sind, bleibt ein geringerer finanzieller Spielraum für das Bussystem selbst. Dies ist ein unumstößliches Faktum, dem bei jeder Planung Rechnung getragen werden muss.

Wie lautete das Funktionsprinzip des alten Bussystems?

Im alten Bussystem waren alle Busse durch Linienführung und Taktung miteinander verbunden und voneinander abhängig.

Um ein Bild zu benutzen: Alle Busse fuhren wie aufgeknüpft auf einer Perlenkette. Wenn die Perlenkette an einer Stelle riss (ein Bus ausfiel) „rutschten alle anderen Busse von der Schnur herunter“ und mussten wieder einzeln aufgefädelt werden.

So hatte beispielsweise eine massive Verspätung eines einzelnen Busses zur Folge, dass im Verkehrsleitstand der Stadtwerke alle anderen Busse neu zusammengestellt und durchgeplant werden mussten, was einen großen manuellen Aufwand darstellte. Dieser Mehraufwand war zunehmend nicht mehr beherrschbar.

Wie lautet das Funktionsprinzip des neuen Bussystems?

Im neuen Bussystem sind stets nur zwei Linienäste (Stadtteile) miteinander verknüpft zu einer sogenannten Durchmesserlinie. Im Schweinfurter Stadtbussystem gibt es gegenwärtig neun Durchmesserlinien.
Wenn auf einer Durchmesserlinie ein Problem eintritt, betrifft dies nur diese spezielle Durchmesserlinie, alle anderen Busse werden hiervon nicht berührt.

Dies erleichtert die Steuerung des Bussystems bei Verzögerungen oder Ausfällen erheblich und reduziert die negativen Auswirkungen auf die Fahrgäste.

Zahlreiche Fahrgäste empfinden die durchgebunden Durchmesserlinien als Komfort-Gewinn; daher ist es nicht wünschenswert, diese wieder abzuschaffen.

Neues Planungs- und Steuerungstool der Stadtwerke

Die Stadtwerke haben in den letzten Jahren ein neues Planungs- und Steuerungsprogramm für das Stadtbussystem eingeführt, auf welchem nur die neuen Linien geplant sind. Die alten Linienpläne des alten Stadtbussystems 1.0 existieren nicht mehr.

Diese alten Pläne im neuen System abzubilden, wäre ein großer personeller und zeitlicher Mehraufwand.
Allerdings sind die Personalkapazitäten bei den Verkehrsplanern der Stadtwerke eng begrenzt: diese müssen auch Baustellen oder Veranstaltungen planerisch bewältigen. Die Belastungen der zurückliegenden Monate waren für das Personal bereits außerordentlich hoch.

Wie sähe eine Rückkehr zum Stadtbus 1.0 aus?

Eine Rückumstellung auf den Stadtbus 1.0 würde gemäß den Regularien des Bürgerbegehrens eine 1:1 Umstellung bedeuten. Das hieße, dass die alten Fahrpläne, die systematisch zu Unpünktlichkeiten geführt hatten, wieder genauso eingeführt würden – ohne die unverzichtbaren Anpassungen.

Die exakte Rückkehr zu den alten Fahrplänen würde auch bedeuten, dass der Anschluss neuer Stadtviertel (Kessler Field) oder der erweiterte Anschluss des Maintals wieder entfallen würden. Dies kann nicht wünschenswert sein.

Es wäre eine völlig theoretische Annahme, aber keinesfalls praktisch umsetzbar, die Arbeitsbedingungen der Busfahrer auf den alten Stand von 1.0 zurückzusetzen. Die alten Dienstpläne würden vom Betriebsrat keinesfalls mehr freigegeben.

Vermutlich müsste mit kurzfristig beschafftem Fahrpersonal – so auf dem Markt verfügbar – und zusätzlichen Diensten gearbeitet werden, was den finanziellen Rahmen deutlich sprengen würde.

Ein Bussystem, das zunehmend häufiger ausfällt, zumindest unpünktlich ist, erfüllt auch die Erwartungen der Fahrgäste nicht. Diese würden sich in zunehmender Zahl vom ÖPNV abwenden.

Das heutige Stadtbussystem soll zunehmend mit dem Regionalbussystem verknüpft werden und somit weitere Angebote für die Buskunden schaffen. Ein derart individuell gestaltetes System wie der alte Stadtbus 1.0 ist nahezu nicht mit anderen Systemen verknüpfbar.

Entscheidender Faktor Kosten

Last but not least: Das Bemühen, das alte Stadtbussystem zu fahren, hätte erhebliche Mehrkosten zur Folge – Geld, das nicht vorhanden ist!

Was konsequenterweise dazu führen würde, dass nach Ablauf der Bindungsfrist von 12 Monaten erneut auf eine Variante von Stadtbus 2.0 umgestellt würde.

Alle Mühen, die mit der Rückumstellung auf den Stadtbus 1.0 verbunden wären, wären eine völlige Verschwendung von Zeit, Personal, Mühen und Geld gewesen!

Wichtig ist Nachhaltigkeit!

Die Bürger der Stadt Schweinfurt, die Buskunden benötigen ein langlebiges und damit nachhaltiges ÖPNV-System, dessen Grundzüge für mindestens ein Jahrzehnt Bestand haben müssen.

Daher ist nur eine Fortentwicklung des gegenwärtigen Stadtbussystems 2.0 ein zielführendes Vorgehen. Mit den sehr weitreichenden Öffnungsklauseln, die nun vereinbart wurden, ist eine sehr gute Basis geschaffen, dass dieses nachhaltige ÖPNV-System entstehen kann.

Die Vertreter des ehemaligen Bürgerbegehrens werden laut Pressemeldung den Umgestaltungs-Prozess aufmerksam begleiten.

1 Comment

  1. Eleonore Franzreb-Öztürk

    Also ich kann nicht bejahen, dass es im 10 Minuten Takt der alten Bergllinie zu massiven Verspätungen gekommen ist. Da die verschiedenen Busse unterschiedlich abgefahren sind war ein Quereinsteigen möglich, ohne direkt den Rossmarkt anzuführen. Die jetzt geplanten Haltstellen liegen z.T. zu nah, oder zu entfernt auseinander. Die Kostenrechnung die im Text aufgemacht wurde, erschließt sich mir nicht. Jahrelang waren das hintere Maintal sowie das Kessler Field nicht angeschlossen und jetzt mit einem Hau Ruck Verfahren irgend einer bestehenden Linie angegliedert. Wenn ich arbeitstechnisch im Kessler Field zu tun hatte, habe ich in diesem Bereich immer leere Busse gesehen, mag sein dass sie mehr genutzt wurden Richtung Hainig bzw Niederwerrn. Das kein Geld da sei um mehr Busfahrer einzustellen erschließt sich mir ebenfalls nicht, da ja erst 17 neue Elekrobusse angeschafft wurden und dann nach Beendigung des Bürgerbegehrens ja auch noch die nun bleibenden Haltestellen umgebaut werden müssen. Mit was für einem Geld wird dieser Umbau finanziert, auch das erschließt sich mir nicht aus dem vorangegangenen Text.

    Und zuguterletzt dad beste aller angeführten Argumente: Wieso haben sich die Stadtwerke fast ein Jahr lang nicht um die Bitten und Anliegen betroffener Bürger gekümmert? Fahrt das ganze Vermittlungsgespräch erst aufgenommen, als ersichtlich war, dass das Bürgerbegehren stattfinden wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert