Druck durch Rezession und Transformation: Das ist der Jahresarbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit Schweinfurt für 2025

Druck durch Rezession und Transformation: Das ist der Jahresarbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit Schweinfurt für 2025
Foto: Hans-Wilhelm Rabeler

SCHWEINFURT / MAIN-RHÖN – Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, betont: „Die Zahlen sprechen für sich: die Arbeitslosigkeit ist in 2025 gestiegen. Allerdings liegen wir in der Region Main-Rhön immer noch unter dem Bayern-Schnitt und deutlich unter den Zahlen im Bund.

Das spricht für die Robustheit unseres regionalen Arbeitsmarktes. Wir wollen weiterhin unsere Mittel gezielt dafür einsetzen, dass sich dieser Trend auch in 2026 fortsetzt“.

Zusammenfassung:

Das Jahr 2025 war für den regionalen Arbeitsmarkt von deutlichen Herausforderungen geprägt. Während die Region in der Vergangenheit durch Stabilität glänzte, hinterlassen die wirtschaftliche Rezession und der strukturelle Wandel (Transformation) nun sichtbare Spuren, so dass die durchschnittliche Arbeitslosigkeit angestiegen ist.
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Die Eckpunkte auf einen Blick:

  • Arbeitslosenquote: Anstieg auf 3,8 % (Vorjahr (VJ): 3,5 %).
  • Arbeitslosigkeit: Jahresdurchschnitt 9.330 Personen (+449 zum VJ).
  • Nachfrage: Sinkender Stellenbestand: 4.892 (VJ 5.547)
  • Beschäftigung: Rückgang auf 177.304 Personen
  • Kurzarbeit: Anstieg bei Nutzung und Ausgaben
  • Insolvenzgeld: Deutlicher Rückgang gegenüber dem Vj
  • Arbeitslosengeld: Anstieg auf 117,7 Millionen Euro
  • Bürgergeld: leichter Anstieg auf 51,0 Millionen Euro.

Arbeitslosigkeit und Dynamik

Trotz der schwierigen Lage zeigt der Arbeitsmarkt eine hohe Dynamik.

  • Zugänge: 29.434 Personen meldeten sich arbeitslos (+351 gegenüber dem Vorjahr). Davon kamen 11.881 Personen aus Erwerbstätigkeit (+553 gegenüber 2024).
  • Abgänge: 28.869 Personen beendeten ihre Arbeitslosigkeit (+650 gegenüber dem Vorjahr). Davon fanden 9.333 Personen direkt eine neue Stelle.

Entwicklung nach Rechtskreisen:

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit konzentrierte sich in 2025 verstärkt auf den Be-reich der Arbeitslosenversicherung (SGB III). Hier stieg die Zahl auf 5.053 (Vorjahr: 4.620). Im Bereich der Jobcenter (SGB II) blieb die Lage mit 4.277 Personen im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant (2024: 4.261).

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften hat weiter nachgelassen

Im Jahr 2025 hielten sich die Arbeitgeber merklich mit Stellenmeldungen zurück. So sank der Stellenbestand auf 4.892. Das waren 655 oder 11,8 Prozent weniger als noch im Vorjahr (5.547).

Deutliche Diskrepanz bei Angebot und Nachfrage:

Insbesondere beim Qualifikationsniveau „Helfer“ treffen sehr viele Bewerber (4.648) auf wenig Stellen (864). Passungsprobleme gibt es auch bei „Fachkräften“ – hier sind zusätzliche Qualifikationen erforderlich.

Beschäftigungsstruktur im Wandel

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank zum Stichtag 30.06.2025 auf 177.304 (-1.579 gegenüber dem Vorjahr).

Das verarbeitende Gewerbe, als Herzstück der regionalen Industrie verzeichnete den stärksten Rückgang mit einem Minus von 2.561 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – alleine im Maschinenbau sind seit 2015 2.318 weniger Personen beschäftigt.

Positive Impulse kamen aus den Bereichen:

  • Erziehung und Unterricht
  • Öffentliche Verwaltung,Verteidigung und Sozialversicherung
  • Immobilien, freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen
  • Information und Kommunikation
  • Verkehr und Lagerei

Die Entwicklung der Beschäftigung lässt dabei mehrere Trends erkennen:

  • Geschlechter: Männer sind überproportional von der Krise betroffen (hauptsächlich durch den Abbau in der Großindustrie). Bei Frauen ist hingegen ein weiterer Anstieg der Beschäftigung zu verzeichnen.
  • Alter: Bei den über 50-Jährigen und den unter 25-Jährigen sinkt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiter.
  • Nationalität: Ein positiver Trend setzt sich bei ausländischen Mitbürgern fort; hier steigt die Zahl der Beschäftigten weiter an.
  • Arbeitszeit: Es findet eine Verschiebung statt. Während die Vollzeitbeschäftigung erheblich rückläufig ist, nimmt die Teilzeitbeschäftigung zu.
  • Weiterbildung als Brücke in die Zukunft. Indem wir Qualifizierung stärken, lösen wir Diskrepanzen am Markt und bringen Menschen und Unternehmen schneller zusammen.

Kurzarbeit

Kurzarbeit trägt weiterhin zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes bei. Allerdings werden die Daten über realisierte Kurzarbeit mit einer Wartezeit von fünf Monaten veröffentlicht, so dass die tatsächliche Entwicklung der zweiten Jahreshälfte noch nicht klar erkennbar ist. Wir gehen aktuell von einem deutlichen Anstieg aus.

Die Leistungen für konjunkturelles Kurzarbeitergeld haben sich 2025 annähernd verdoppelt – von 3,0 Millionen Euro im Vorjahr auf 5,9 Millionen Euro. Beim Insolvenzgeld gingen die Ausgaben deutlich zurück auf 6,2 Millionen Euro (Vorjahr 10,4 Millionen Euro)

Entgeltersatz- und Förderleistungen

Die Agentur für Arbeit Schweinfurt hat die Region 2025 mit einem dreistelligen Millionenbetrag unterstützt.
Die Ausgaben der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld (Alg I) stiegen auf 117,7 Millionen Euro (Vorjahr 100,6 Millionen Euro) Die Ausgaben für Bürgergeld stiegen nur leicht auf 51,0 Millionen Euro (Vorjahr 50,1 Millionen Euro). Die Ausgaben für Leistungen der aktiven Arbeitsmarktpolitik stiegen auf 26,7 Millionen Euro (Vorjahr 25,4 Millionen Euro).

Fazit und Ausblick 2026

Die Industrie bleibt der wirtschaftliche Motor unserer Region. Da dieser Motor aufgrund von Rezession und Transformation derzeit ins Stocken gerät, ist die Belastung für den Arbeitsmarkt unmittelbar spürbar.

Prognose:

  • Arbeitslosigkeit wird leicht steigen. Für 2026 rechnet die Agentur mit einem weiteren, wenn auch moderaten, Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dadurch ergibt sich auch ein Anstieg bei den Entgeltersatzleistungen.
  • Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird auch in 2026 weiter sinken. Der Trend der Vorjahre setzt sich fort. Im industriellen Bereich wird die Beschäftigung weiter zurückgehen, andere Branchen (Bsp: Gesundheit, Erziehung) werden leicht wachsen.
  • Die Ausländerbeschäftigung wird weiter steigen.
  • Teilzeitbeschäftigung nimmt weiter zu. Demgegenüber sinkt der Anteil der Vollzeit-Beschäftigung.
  • Der Demografie-Effekt (Babyboomer) führt dazu, dass mehr Arbeitskräfte den Arbeitsmarkt verlassen, als neu hinzukommen werden.
  • Gute Leute werden immer gebraucht werden.
    Trotz Beschäftigungsabbau bleibt die Fachkräftegewinnung, nicht nur in Wachstumsbranchen eine Herausforderung.

Qualifizierungsoffensive startet 2026

Abschließend betont Richard Paul: „Die Agentur für Arbeit fördert Qualifizierung. Dies gilt sowohl für Betriebe, Beschäftigte sowie Arbeitssuchende. Inte-ressierte sollten frühzeitig die Beratungsangebote nutzen. Wir haben für 2026 zusätzliche Finanzmittel eingeplant, um mit einer Qualifizierungsoffensive die Transformation zu unterstützen“.

Auf dem Foto ist die Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt abgebildet: Richard Paul und Alexandra Elbert. (Foto: Hans-Wilhelm Rabeler).

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