Schock für Beschäftigte: Arbeitgeber verkündet endgültiges Aus für Valeo in Bad Neustadt an der Saale – Stellenabbau in Ebern

Schock für Beschäftigte: Arbeitgeber verkündet endgültiges Aus für Valeo in Bad Neustadt an der Saale – Stellenabbau in Ebern
Foto: IG Metall

BAD NEUSTADT AN DER SAALE – Heute (14.1.2026) wurde bekanntgegeben, wovor die IG Metall bereits im Oktober 2023 gewarnt hatte: Nach der bereits erfolgten Teilwerksschließung und der Verlagerung der Produktion an Billiglohnstandorte soll das endgültige Aus für den Valeo-Standort in Bad Neustadt an der Saale folgen.

Die verbliebenen rund 190 Beschäftigten wurden um 13.30 Uhr im Rahmen einer Mitarbeiterinformation mit dieser niederschmetternden Entscheidung konfrontiert. „Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen“, sagt Reiner Gehring, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt und zuständiger Betriebsbetreuer. „Damit tritt genau das ein, was wir bereits Ende 2023 prophezeit hatten. Wir haben klar gesagt: Ein Entwicklungsstandort ohne dazugehörige Produktion wird in diesem Konzern keine Zukunft haben“, kommentiert er die Schocknachricht weiter. Besonders ärgert den Gewerkschafter, dass dieses Szenario vehement vom Arbeitgeber bestritten wurde.

Die Bestürzung in der Belegschaft ist groß. „Jedem ist die Bestürzung anzusehen. Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen“, sagt die sichtlich mitgenommene stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert.

Die IG Metall Schweinfurt hält die Entscheidung für den absolut falschen Weg: „Noch kennen wir keine Details. Aber natürlich werden wir den Beschäftigten in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen“, betont Reiner Gehring.

Zusammen mit der Politik hat die IG Metall Schweinfurt 2010 erfolgreich dafür gekämpft, die Zukunftstechnologie Elektromobilität in Bad Neustadt anzusiedeln. „Sich jetzt aus einer Zukunftstechnologie in der Modellstadt für Elektromobilität Bad Neustadt zu verabschieden, ist eine verheerende Fehlentscheidung. Wir sind bereits in Abstimmung mit dem Landratsamt, wie es weitergeht“, sagt Gehring weiter.

Und das ist die Stellungnahme des Landkreises:

Weiterer Abbau von Industriearbeitsplätzen in Bad Neustadt

Heute, Mittwoch, 14.01.2026, haben die Verantwortlichen der Firma Valeo den Bürgermeister von Bad Neustadt, Michael Werner, und Landrat Thomas Habermann darüber informiert, dass nach der bereits erfolgten Teilwerksschließung und der Verlagerung der Produktion das endgültige Aus für den Valeo-Standort in Bad Neustadt Mitte des Jahres 2026 erfolgen wird.

Nach dem bereits erfolgten Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen vor zwei Jahren verlieren nun die verbliebenen 190 Mitarbeitenden bei Valeo ihren Arbeitsplatz in Bad Neustadt. 40 Mitarbeitenden wird voraussichtlich ein Arbeitsplatzangebot am Standort Erlangen gemacht werden.

Das ist ein schwerer Schlag für den Industriestandort Rhön-Grabfeld und die erste Bayerische Modellstadt für Elektromobilität Bad Neustadt. Diese Entscheidung wird begründet mit der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit von Produktion und Forschung und Entwicklung am Standort Bad Neustadt. Dies ist ein harter Schlag für die äußerst engagierten Beschäftigten am hiesigen Standort.

Mehr als bedauerlich ist, dass im Vorfeld dieser Entscheidung mit den Verantwortlichen im Unternehmen vor Ort sowie den regionalen Verantwortlichen nicht kommuniziert und gemeinsam nach guten Lösungen für die Fortführung des Betriebs von Valeo in Bad Neustadt gesucht wurde.

„Ich stehe bereits mit dem Betriebsrat von Valeo, der IG Metall Schweinfurt, der Stadt Bad Neustadt und dem Bayerischen Wirtschaftsministerium in engem Austausch“, erklärt Landrat Thomas Habermann.

Der schleichende Abbau von Industriearbeitsplätzen im Bereich Automotive und Maschinenbau erfordert gewaltige Gegenanstrengungen bundesweit, von der Bayerischen Staatsregierung, den Verantwortlichen vor Ort und den Beschäftigten.

Das stellt auch einen Schlag gegen den ländlichen Raum in Bayern dar. Die schon begonnene Deindustrialisierung im ländlichen Raum kann nicht durch Bemühungen der Entwicklung im Bereich der Hightech-Industrie, sowohl bei Forschung- und Entwicklung, wie auch bei Produktion in den Ballungszentren kompensiert werden.

„Wir werden mit aller Kraft nach zeitnahen Zukunftsperspektiven für die betroffenen Beschäftigten suchen – gemeinsam mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft und der Bayerischen Staatsregierung“, betont Landrat Habermann. Man befinde sich bereits in enger Kommunikation.

Es geht um die Zukunft der Menschen in unserer Region.

Erneuter Stellenabbau beim Valeo Standort in Ebern

Am Donnerstagnachmittag, dem 15.01.2026 informierten die Verantwortlichen der Firma Valeo den Bürgermeister von Ebern Jürgen Hennemann und Landrat Wilhelm Schneider darüber, dass weitere 134 Arbeitsplätze am Standort Ebern abgebaut werden. Nachdem bereits vor einem Jahr 280 Arbeitsplätze abgebaut wurden, ist dies ein weiterer schwerer Schlag für den Industriestandort Ebern.

Äußerst bedauerlich ist auch die Tatsache, dass vor dieser Entscheidung keine Kommunikation mit den Verantwortlichen vor Ort im Unternehmen sowie den regionalen Entscheidungsträgern stattfand, um gemeinsam nach Lösungen zur Verbesserung der Situation zu suchen.

Die wirtschaftliche Entwicklung vor allem in der Automobilindustrie führt auch im Landkreis Haßberge zu schweren Einschnitten, die unsere Region weiter schwächt.

Der Valeo-Konzern hat mit einer überraschenden Mitteilung den Abbau von ca. 100 Stellen im Bereich der Forschung und Entwicklung in Ebern angekündigt. Weitere 27 Stellen sollen nach Erlangen verlagert werden Auch wenn der Zeithorizont noch nicht festgelegt ist, so ist nach den bisherigen Erfahrungen mit einer zügigen Umsetzung zu rechnen.

Der Abbau erfolgt im Herzstück des Standortes Ebern im Bereich von Forschung und Entwicklung und bedeutet faktisch deren Schließung. Betroffen sind hoch qualifizierte Arbeitskräfte, die in der Vergangenheit den Standort mit der Entwicklung von äußerst interessanten Innovationen getragen haben.

Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die gesamte Region und vor allem auf unseren nördlichen Landkreis. Die wenigen Produktionsstandorte werden geschlossen, wie vor zwei Jahren Schaeffler in Eltmann oder der Stellenabbau wird vorangetrieben, wie der Standort von Valeo in Ebern zeigt.

Besonders betroffen ist der nördliche Landkreis, der als ehemaliges Zonenrandgebiet infrastrukturell stark benachteiligt ist. Es fehlt an einem direkten Anschluss an das Autobahnnetz, und der Ausbau der Strominfrastruktur wurde lange vernachlässigt – Faktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich erschweren.

Hinzu kommen Altlasten aus der Vergangenheit: Die Schließung des Bundeswehrstandorts Ebern erfolgte ohne jegliche Unterstützung durch den Bund – ein schwerer Einschnitt, dessen Folgen bis heute spürbar sind. Zwar ist der Neubau der Landesbaudirektion im Rahmen der Behördenverlagerung ein positives Signal, doch kann dies die tiefgreifenden negativen Auswirkungen nicht allen ausgleichen.

Unsere Region, die ohnehin mit einer stark alternden Bevölkerung kämpft, steht vor einer dramatischen Herausforderung: Die Abwanderung junger Menschen führt zu einer weiteren Überalterung und einem zunehmenden Leerstand, der sich nicht nur auf die Ortskerne beschränkt. Als ländlich geprägtes Gebiet mit begrenzten finanziellen Ressourcen und besonderem Handlungsbedarf sind wir kaum in der Lage, dieser negativen Entwicklung wirksam entgegenzutreten.

„Bereits bei den ersten Entscheidungen zum Stellenabbau habe ich sofort Gespräche mit dem Betriebsrat, der IG Metall in Bamberg und dem Bürgermeister gesucht. Diese Gespräche werden aufgrund der Entwicklung fortgeführt,“ betont Landrat Schneider. Gleiches gilt für die Kontakte zur Staatsregierung.

„Es geht um unsere Region, unsere Menschen – ihre Lebensgrundlage und ihre Chancen!!“

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