BREMEN / BAD KÖNIGSHOFEN – Na klar war erwartet worden, dass das Schlusslicht der Tischtennis-Bundesliga TSV Bad Königshofen beim Tabellenführer SV Werder Bremen ebenso wenig erben würde wie etwa Heidenheim beim FC Bayern München. Doch was war das für ein Start in die Rückrunde und ins neue Jahr, was für ein Ausrufezeichen im Kampf um den Klassenerhalt dieser 3:1-Auswärtssieg der Königshöfer.
Zu ergänzen ist nach dieser sensationellen Vorstellung: Was für eine Kooperation der tapferen Mannschaft und der 14 TSV-Fans, die am Dienstag den 450-km-Kampf mit dem Tief „Gunda“ und dem SV Werder Bremen aufgenommen und gewonnen haben.
Ob damit die Abzweigung auf dem Weg zum Klassenerhalt eingeschlagen wurde und ob der SV Werder durch seine erste Niederlage nach Saison-übergreifend acht Heimsiegen in Serie aus der Erfolgsspur gerutscht ist, müssen die nächsten Wochen zeigen. Für die Königshöfer dürfte das Heimspiel diesen Samstag (15 Uhr) gegen den TTC Grenzau keinen Deut leichter werden. Während die Hanseaten ihre Wunschformation zur Verfügung hatten und taktisch aus dem Vollen schöpfen konnten, mussten die Rhön-Grabfelder weiterhin warten auf Godot – auf den neu verpflichteten chinesischen Nationalspieler Xue Fei. Was nicht absurd ist, sondern klare Folge vertraglicher Vereinbarungen.
Der Auftakt oben an der Weser verlief allerdings erwartet ernüchternd. Werder hatte so taktiert, dass es in allen drei Einzeln zur Revanche der selben Partner des Hinrundenspiels (0:3) kam. Andre Bertelsmeier war wieder dabei, aber gegen den ehemaligen Vizeweltmeister, Doppel-Welt- und Europameister Mattias Falck aus Schweden noch zu grün. Falck war in allen Belangen der bessere, reifere und stabilere Spieler – 1:0 für Bremen. „Seine Zeit kommt noch“, nahm ihn TSV-Manager Andy Albert in Schutz.
Dann suchte und gelang Bastian Steger Revanche für die unglückliche Hinspiel-Niederlage gegen den Paraguayaner Marcelo Aguirre. Was für eine Vorstellung des TSV-Leaders! In fünf Sätzen rang er den Olympiasieger-Fan-Zhendong-Besieger nieder. Im Hinspiel hatte er sich im fünften mit 10:12 beugen müssen. Diesmal war ihm Fortuna hold. Bemerkenswert indes, wie ruhig und locker er sich im Timeout beraten ließ und sogar ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Basti bewegte sich schnell und geschmeidig wie ein junges Reh, glich zum 1:1 aus. Und Andy Albert sagte in einem Pausen-Interview mit DYN einen Königshöfer 3:1-Sieg voraus. Dafür musste sich aber auch Daniel Habesohn für die 2:3-Hinspielniederlage gegen den Kasachen Kirill Gerassimenko revanchieren. Machte er – in fünf Sätzen. Obwohl er im dritten drei Satzbälle versemmelte und weil er im vierten fünf Satzbälle abwehrte. Alfred Hitchcock ließ grüßen: Das hier war aber noch spannender!
Also musste Steger im Duell der beiden wahren Einser ihres Teams gegen Falck diesen zum ersten Mal überhaupt besiegen. Allzu viele Gelegenheiten würde er dazu mit seinen im März 45 Jahren nicht mehr bekommen. Ob nämlich im Fall einer Niederlage das Schlussdoppel (Bertelsmeier/Zeljko gegen Gerassimenko/Bertrand) den Sack hätte zumachen können? Mussten sie nicht, weil Steger einen absoluten Sahnetag erwischt hatte: Wieder Fünf-Satz-Sieg! Dann mischten die 14 Fans die Halle auf, dass den Einheimischen nur das Staunen und die Flucht blieben. Steger rang Falck, Bilanz 10:4, nieder, stockte die seine auf 9:4 auf.
Mit der La-Ola-Welle, den Sprechchören „Auswärtssieg“ und „Hier regiert, der TSV“ rockten die die TSV-Fans die Werder-Halle.
Ergebnisse:
Falck – Bertelsmeier 3:0
11:5/11:7/11:5
Aguirre – Steger 2:3
4:11/15:13/9:11/12:10/9:11
Gerassimenko – Habesohn 2:3
11:8/7:11/13:15/13:11/8:11
Falck – Steger 1:3
8:11/13:11/4:11/8:11
Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

