LANDKREIS WÜRZBURG – Eine Delegation aus dem israelischen Partnerlandkreis Mateh Yehuda hat den Landkreis Würzburg besucht, um die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Regionen nach den Angriffen der Hamas am 7. Oktober 2023 wieder zu vertiefen.
„Wir sind froh, dass unsere Freunde zu uns kommen, auch wenn die Situation in Israel nicht einfach ist“, sagt Landrat Thomas Eberth. „Der Austausch und die Gespräche helfen, die Situation vor Ort zu verstehen.“
Die Freude über das dreitägige Treffen war überschattet von der nach wie vor angespannten Lage im Gaza-Konflikt. Die Grenze von Mateh Yehuda befindet sich rund 50 Kilometer von Gaza-Stadt entfernt. Viele Menschen in der Region waren und sind von den Angriffen der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und dem anschließenden Kriegsgeschehen betroffen.
Die neue stellvertretende Landrätin von Mateh Yehuda, Efrat Shalev-Tubul, der Sprecher des Rates, Omri Menashe, und die Leiterin des Bereichs Tourismus und Internationales, Roni Iron, berichteten bei einem Abendessen mit Vertreterinnen und Vertretern des Landkreises Würzburg und der regionalen Politik von ihren persönlichen Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre. Besonders bewegend waren die Schilderungen von Reserveoffizier Jonatan Bahat, der im Gaza-Krieg schwer verletzt wurde. Der Abend stand im Zeichen des offenen Austauschs und der vertrauensvollen Beziehungen, die seit 1997 zwischen Würzburg und Mateh Yehuda bestehen.
Gemeinsame Herausforderungen – gemeinsames Lernen
In den folgenden Tagen besuchte die Delegation die Main-Klinik in Ochsenfurt sowie das Seniorenzentrum und die Feuerwehr in Eibelstadt. Dabei zeigte sich, dass beide Landkreise vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Eine alternde Bevölkerung trifft auf einen zunehmenden Fachkräftemangel, insbesondere im sozialen Bereich. Der Besuch diente deshalb auch dem Austausch über unterschiedliche Organisationsstrukturen in Pflege und Versorgung – mit dem Ziel, voneinander zu lernen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Ein weiteres Gesprächsthema waren die schweren Waldbrände, mit denen Mateh Yehuda im April 2025 zu kämpfen hatte. Starke Winde und hohe Temperaturen hatten das Feuer rund um die Hauptstadt Jerusalem binnen kurzer Zeit ausgedehnt; erst nach 20 Stunden konnten die Brände von Feuerwehr, Armee und Polizei unter Kontrolle gebracht werden. Das Interesse an der Arbeit der Feuerwehr Eibelstadt und am Katastrophenschutz im Landkreis Würzburg war daher groß.
Auch im Bereich der Cybersicherheit gibt es viele Berührungspunkte. Im 2025 eröffneten Technologietransferzentrum in Ochsenfurt stellte Prof. Dr. Sebastian Biedermann aktuelle Forschungsprojekte vor – ein Thema, das angesichts zunehmender Cyberangriffe auch Mateh Yehuda stark beschäftigt. Der Besuch legte damit den Grundstein für eine engere Zusammenarbeit beider Regionen in diesem Zukunftsfeld.
Engere Zusammenarbeit im kulturellen Bereich geplant
2026 sind weitere Besuche und Kontakte geplant. Ziel ist es, die langjährige Freundschaft weiter zu stärken und den Austausch auch auf kultureller Ebene auszubauen. Kulturelle und musikalische Einrichtungen sowie engagierte Akteure aus beiden Landkreisen sollen miteinander vernetzt werden, um gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen und die Partnerschaft lebendig zu halten.
„Dass wir uns mit unseren jüdischen Freunden treffen und austauschen, aber auch miteinander lachen, war vor einiger Zeit noch undenkbar. Das macht Hoffnung für die Zukunft und zeigt, dass Barrieren immer überwunden werden können. Vielleicht ja auch eines Tages in Israel und im Gazastreifen“, sagte Landrat Thomas Eberth bei der Verabschiedung der Gäste aus Mateh Yehuda.
Auf den Fotos:
1: Eine Delegation aus dem israelischen Landkreis Mateh Yehuda war zu Besuch im Landkreis Würzburg. Das Programm führte Gastgeber und Gäste unter anderem ins jüdische Kulturmuseum Veitshöchheim (von links): Landrat Thomas Eberth, stellvertretende Landrätin Efrat Shalev-Tubul, stellvertretende Landrätin Karen Heußner, die Leiterin für Tourismus und Internationales, Roni Iron, Reserveoffizier Jonatan Bahat, Kreisrätin Jessica Hecht und der Sprecher des Rates von Mateh Yehuda, Omri Menashe.
Foto: Michael Grönert
2: Beim gemeinsamen Essen schilderten die Besucher aus Mateh Yehuda ihre Erlebnisse im Gaza-Konflikt. Der israelische Reserveoffizier Jonatan Bahat (stehend) wurde schwer verwundet. Durch die Nähe Mateh Yehudas zum Gazastreifen sind viele Menschen der Region vom Krieg betroffen.
Foto: Michael Kämmerer
3: Im April 2025 wurde die Region Mateh Yehuda von schweren Waldbränden heimgesucht. Die Delegation aus Israel war daher bei einem Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Eibelstadt besonders interessiert an der Ausrüstung zur Brandbekämpfung und an den Vorkehrungen zum Katastrophenschutz.
Foto: Sebastian Restetzki



