Beim Tod im Silvanerrausch von einer Bratwurstlawine verschüttet: Der fränkische Sachse Mathias Tretter kommt nach Hallstadt

Beim Tod im Silvanerrausch von einer Bratwurstlawine verschüttet: Der fränkische Sachse Mathias Tretter kommt nach Hallstadt
Foto: Enrico Meyer

HALLSTADT – Am Samstag, den 3. Januar 2026 um 20 Uhr eröffnet Mathias Tretter das neue Jahr im Kulturboden Hallstadt – mit seinem satirischen Jahresrückblick „Nachgetrettert“.

Im Vorfeld seines Auftritts hat sich der vielfach ausgezeichnete Kabarettist in einem launigen Interview über fränkische Wurzeln, Social-Media-Distanz und das große Ganze geäußert.

Herr Tretter, Sie sind seit über 20 Jahren auf der Bühne, haben sicherlich mehrere Tausend Auftritte hinter sich und jede namhafte Kabaretttrophäe eingeheimst. Wo und wann begann Ihre Karriere?

Meine Laufbahn begann 2001 durch einen Kommilitonen, Florian Hoffmann, in Würzburg, der in einem kleinen Theater einen Comedy-Abend organisiert hatte; Termin stand fest, Plakate hingen, Karten waren verkauft – das Einzige, was er vergessen hatte, waren Leute, die auftreten. Und nachdem ich Germanistik studierte, also sieben Tage die Woche Zeit hatte, und das Leben in dem Augenblick eh nicht wusste, was es mit mir anfangen soll, hab’ ich ihm die Zusage für einen Auftritt gegeben. Der war dann selbstverständlich der blanke Horror – aber im Vergleich zum Berufsleben, das mir sonst gedroht hätte, ein überschaubarer Schrecken.

Sie kommen aus Franken, leben aber seit vielen Jahren in Leipzig und sind obendrein ständig auf Tour. Sie sind somit ein ausgewiesener Ost-West-Experte. Stellen Sie Unterschiede beim Publikum fest? Lacht der Wessi an anderen Stellen als der Ossi; wenn ja, warum glauben Sie ist das so?

Nun ja, der Ossi lacht in Erfurt oder Greifswald, der Wessi in Duisburg oder Kehl. Ich hab’ kaum einen Wessi erlebt, der z.B.in Bitterfeld lacht, und dem Ossi bleibt’s auf Sylt im Hals stecken. Wenn’s um meine Komik geht – da ist ohnehin jedes Publikum anders. Es gibt an so einem Abend Tausende von Faktoren, die die Stimmung ausmachen: Luftdruck, Verkehrssituation, wie viele haben zu viel zu Abend gegessen, sitzen zerstrittene Paare drin, die schlicht die Karten nicht verfallen lassen wollen, wer hat bereits getrunken, und was, stinkt einer? Etcetera. Lachen ist zudem etwas Körperliches, Unkontrolliertes, wie Niesen; aber man fragt auch selten jemanden, ob er anders niest als eine Ostwestfälin (nur als Beispiel – meinetwegen auch ein Bauarbeiter oder Katholik).

Seit Ende November sind Sie mit Ihrem Programm „Nachgetrettert“ unterwegs, ein satirischer Rückblick auf das zurückliegende Jahr. Was wird uns an dem Abend erwarten? Eine Rundum-Schelte? Oder gibt es auch Positives zu berichten?

Was man einem deutschen Publikum bieten muss: Vergangenheitsbewältigung. Aber sowas von. Rundum, von vorne bis hinten, Strich und Faden, Merz bis Dezember. Bloß in hübsch, Schelte will niemand. Warum sich nochmal ärgern? Beim ersten Mal war’s schon überflüssig. Und wer schimpft, hat keine Pointe. Es wird ausschließlich Positives geben – jedenfalls für die, die drin sitzen.

Als Kabarettist setzt man sich täglich mit der weltweiten Nachrichtenlage auseinander. Sie informieren sich, wie Sie immer wieder gesagt haben, hauptsächlich über Zeitung und Radio. Sie besitzen kein Smartphone und halten sich von Social Media fern – ein Rezept, um entspannt zu bleiben?

Nein, aber eine Chance. Und aus meiner Sicht die einzige. Sex und Bier helfen auch, sind aber völlig vertan, wenn man sie digital begleitet. Es gibt wenig Erhebenderes als einen ausgeschalteten Bildschirm. Am schönsten sind immer die Shitstorms gegen mich, von denen ich nichts mitbekomme. Man erfährt davon irgendwann durch Freunde, die einen dann meist noch besorgt fragen, was das mit einem mache? Und ich antworte immer: Es ist wie ein Sonnenaufgang über Kathmandu – ich habe ihn nie gesehen, aber es ist herrlich, dass es ihn gibt.

Was raten sie Ihren eigenen Kindern im Hinblick auf Information und Desinformation?

Eine charmante Schmeichelei, die Frage – danke. Dass man noch darauf kommt, ich würde nicht längst von meinen Kindern beraten, sondern umgekehrt, bauchpinselt mich doch ganz ordentlich. Als Komiker hat man es bei der Frage leicht: Es kommt nicht darauf an, ob etwas stimmt oder nicht, sondern ob es komisch ist. Ein Theater ist ein Haus der Lüge – man schaut Leuten beim Ausgestalten von Erfindungen zu. Und ich finde es keinen Zufall, dass seit einiger Zeit Komiker ins Politikfach wechseln. Das Digitale macht alles letztlich unwirklich. Was bleibt, ist Flunkern. Oder wie Donald Trump seine Politik beschreibt: „Great television“.

Zuletzt: Leipzig für immer – oder ist eine Rückkehr ins Fränkische denkbar für Sie?

Eine Rückkehr ist schon deshalb undenkbar, weil ich ja nie weggegangen bin. Um Thomas Mann zu plagiieren: Wo ich bin, ist Franken. Ich trage die fränkische Kultur in mir. Und Leipzig mag nur eine Romanze sein, aber eben eine unsterbliche. Oder zumindest, bis dass der Tod uns scheidet; hoffentlich, indem ich im Silvanerrausch von einer Bratwurstlawine verschüttet werde.

Karten für die Veranstaltung gibt es auf www.kartenkiosk-bamberg.de (auch zum Selbstausdruck), telefonisch unter 0951-23837 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Foto: Enrico Meyer

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