BERGNEUSTADT / BAD KÖNIGSHOFEN – Jeder, der es mit dem TSV Bad Königshofen hält, war sich vor diesem letzten Auswärtsspiel des Jahres im Klaren: Einen Sahnetag müsste man erwischen, um dem daheim bisher ungeschlagenen TTC Bergneustadt (4.) ein Bein stellen zu können. Womit man die Lage als Tabellenletzter etwas hoffnungsvoller gestalten und ein Bein in die Tür zum Klassenerhalt stellen konnte.
Ein Sieg war aber auch dringend nötig, weil am Vortag einer der Konkurrenten gegen den Abstieg, der TTC Grenzau, 3:1 gegen Grünwettersbach gewonnen und im Fernduell Königshofens Rückstand auf vier Punkte ausgebaut hatte. Mit dieser Nachricht musste das verbliebene TSV-Trio Bastian Steger, Filip Zeljko und Daniel Habesohn erst mal umgehen. Und mit einer weiteren: Der Vierte im Kader, Andre Bertelsmeier, stand nicht zur Verfügung, war zu einem WTT-Turnier in Südkorea unterwegs. Während bei den Gastgebern der Frontmann, Benedikt Duda, Nr. 12 der Welt, rechtzeitig von zwei anderen Turnieren zurück war. Die umgekehrte Ausgangssituation im Vergleich zu den letzten zwei Jahren.
Die Tipps in der Burstenhalle pendelten sich zwischen 3:0 und 3:1 für die Einheimischen ein. Den einen machte schon mal Daniel Habesohn zunichte, der selber noch nicht so recht in der Saison angekommen war. Nun ist er es, hat dem Weltklassespieler Benedikt Duda, zurzeit vermeintlich am Zenit, in der Form seines Lebens, nicht nur Paroli geboten, sondern völlig gerechtfertigt und verdient mit 3:1 in die Knie gezwungen.
Mit dem Ehepaar Heike und Josef Weber kämpften auf der Tribüne diesmal nur zwei, die Treuesten der treuen TSV-Anhänger, unermüdlich gegen die Gastgeber, besonders die fünf Trommler. Und ihr Daniel zahlte ihnen den Aufwand für die gut 300 km einfach zurück. Es war allerdings nichts für schwache Nerven: 12:10 im vierten Satz.
Was für eine Steilvorlage des einen für den anderen Senior. Bastian Steger hatte man nämlich, wenn überhaupt, am ehesten Chancen gegen den belgischen Nationalspieler Adrien Rassenfosse eingeräumt. Diesen Auftrag, seinem Team mit einem Sieg zumindest zum ersten Mal ins Schlussdoppel zu verhelfen, erledigte Basti mit Bravour und ebenso verdient wie Habesohn: Sehr deutlich in den gewonnenen Sätzen eins, zwei und vier. Nur im dritten, den er sich nach einer 9:4-Führung noch klauen ließ, drohte Ungemach. Im vierten ließ er sich aber nicht mehr die Butter vom Brot nehmen – 2:0 zur Pause.
Was würde Filip Zeljko daraus machen, mit 1:7-Bilanz bisher überhaupt noch nicht richtig in die Gänge gekommen? Gewinnen und den Sack zumachen oder dem Trend der Saison folgend den Turnaround einleiten? Gegen den Franzosen Romain Ruiz, ein mentales Energiebündel wie er selber, der aber in dieser Halle bisher unbesiegt war, so wie seine Mannschaft. Und der gegen die ganz Großen der Liga gewonnen hat, u.a. den Olympiasieger und Weltmeister Fan Zhendong und die deutsche Nr.1 Dimitrij Ovtcharov schlug.
Im höchsten Maß selbstbewusst von seiner Herangehensweise und in Weltklasse-Format im ersten, zweiten und fünften Satz machte er sich besonders wertvoll für den TSV. Als er im dritten bei 10:9 den Gesamtmatchball vergeben hatte, ihn verlor, den vierten sogar hochkantig und im fünften 1:4 hinten lag, riss er auf einmal völlig überraschend das Ruder wieder herum, verwandelte den ersten seiner zwei weiteren Matchbälle – stellte alle Wetten und Prognosen auf den Kopf – und es wurde ganz still in der Halle, nur die Königshöfer jubelten.
Als trotzdem noch Schlusslicht erwartet Bad Königshofen am Samstam, 20.12., 15 Uhr, in der Shakehands-Arena den BV Borussia 09 Dortmund, der mit 8:12 Punkten als Neunter anreist.
Tischtennis-Bundesliga: TTC Bergneustadt – TSV Bad Königshofen 0:3
Duda – Habesohn 1:3
8:11/11:6/5:11/10:12
Rassenfosse – Steger 1:3
5:11/11:8/8:11/4:11
Ruiz – Zeljko 2:3
9:11/6:11/12:10/11:3/8:11
Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

