OCHSENHAUSEN / BAD KÖNIGSHOFEN – Knapp daneben ist auch vorbei. Der Tabellenletzte TSV Bad Königshofen war wieder einmal näher dran an einem Sieg, als es das 1:3 bei den TTF Ochsenhausen auszudrücken vermag. Hinzu kam, dass die Mannschaft seit Jahren zum ersten Mal auswärts ohne die gewohnte Atmosphäre auskommen musste: Keine Unterstützung durch Gäste-Fans in der Liebherr-Arena.
Auskommen musste sie aber auch ohne ihren Junior-Neuzugang Andre Bertelsmeier, der bei einem WTT-Turnier im Oman aufschlug. Er war bisher meistens als Nummer eins nominiert. Im vorherigen Spiel gegen Mühlhausen saß er zwar auf der Bank, hätte aber in Normalform womöglich das vorentscheidende zweite Einzel gegen Levenko eher gewinnen können. Dem gegenüber war bei den „Ochsen“ der Weltklassemann Shunsuke Togami, Nr. 20 der Welt, entgegen anders lautenden Spekulationen doch mit von der Partie und gewann als zentrale Figur der Oberschwaben allein zwei der drei Punkte. Er baute seine Einzelbilanz der Saison in der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) und im Pokal auf 13:0 Siege aus.
Nach dem 0:2-Rückstand zur Pause schien es erst eine kurze Angelegenheit, eine deutliche Niederlage zu werden. Dann hätte sich das Blatt beinahe noch gewendet. Dass Filip Zeljko gegen Togami als Verlierer vom Tisch gehen würde, war ja zu befürchten, trennen beide doch fast 100 Weltranglisten-Plätze. Zwei Sätze lang wurde diese Einschätzung auch bestätigt. Im dritten begann bei Zeljkos erster Führung überhaupt, zum 5:4, die Phase der Hoffnung. Er hatte sogar bei 10:8 zwei Satzbälle, verlor aber dennoch. Togami war von seinem Individual-Trainer, dem Ex-Königshöfer Jin Ueda, der auch in der Halle war, bestens auf seinen ehemaligen Teamkollegen vorbereitet worden.
Im Schlüsselspiel kam es zum österreichischen Generation-Duell Andreas Levenko (22, ukrainische Abstammung) gegen Daniel Habesohn (39). Der spielte diesmal an eins, womit jeder der vier Königshöfer Spieler schon mal diese Position mit zwei Einzel-Einsätzen bekleiden durfte. Es hätte der Schlüssel für einen TSV-Sieg werden können. Wenn „Dany“ ausgeglichen hätte, womit gerechnet werden durfte, und Steger danach Abiodun geschlagen hätte, was auch eintraf. Dann hätte Togami ruhig gegen Habesohn gewinnen dürfen und die Königshöfer hätten erstmals in dieser Saison die Entscheidung im Doppel herbeiführen können. Es blieb aber für den TSV bei der „Wenn-und-Hätte-Saison.“
Habesohn konnte diesen Schlüssel nicht umdrehen, verlor. Wodurch Basti Stegers Aufgabe gegen den einzigen Ochsenhausener mit negativer 1:5-Bilanz Tiago Abiodun den Beigeschmack hatte, umsonst sein zu können. Steger benötigte den ersten Satz (9:11) zur Suche nach dem Weg, den Portugiesen schlagen zu können und schaffte dies auch in überzeugender Manier.
Was dann im vierten Einzel der Einser Togami gegen Habesohn abging, überraschte selbst den japanischen Weltklassespieler selber. Der stand ab dem zweiten Satz einem über sich hinaus wachsenden Habesohn gegenüber, der um Haaresbreite seinem Gegner die erste Saison-Niederlage beigebracht hätte. „Dany“ zeigte eine Leistung, an der er und mit ihm die Mannschaft sich dennoch hochziehen könnten. Als er den vierten Satz gewonnen hatte, legte der Hallen-DJ „Major Tom“ und „Völlig losgelöst“ auf, hatte vermutlich zu weit voraus gedacht, den Sieg schon unter Dach und Fach gesehen.
Ganz pathetisch drückte sich hinterher im Interview der Schlüsselspiel-Gewinner Andreas Levenko im Überschwang seiner Gefühle aus: „Wir waren heute nur das Gefäß des göttlichen Willens.“
Ergebnisse:
Togami – Zeljko 3:0 (11:7/11:6/12:10)
Levenko – Habesohn 3:1 (11:3/7:11/11:5/11:8)
Abiodun – Steger 1:3 (11:9/7:11/5:11/7:11)
Togami – Habesohn 3:2 (11:5/11:13/11:8/8:11/11:5)
Text und Foto: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

