SCHWEINFURT – Einstimmig wurde der stellvertretende ver.di- Bezirkschef Martin Schmidl von den 27 Delegierten der acht DGB-Mitgliedsgewerkschaften im Naturfreundehaus Schweinfurt zum DGB-Kreisvorsitzenden gewählt.
Schmidl führt den Kreisverband Schweinfurt seit 2017 und vertritt 16.570 Gewerkschaftsmitglieder wohnhaft in Schweinfurt Stadt und Land gegenüber Politik und Gesellschaft.
Neben der Wahl des Vorsitzenden stand die Lage der Schweinfurter Industrie und die Zukunft der sozialen Sicherung für die Arbeitenden im Mittelpunkt der Konferenz. Dazu wurden zwei Anträge zur Weiterleitung an die Landes- und Bundesebene des DGB beschlossen. Ein Antrag der IG BCE-Vertrauensleute von Fresenius verlangt die Einführung eines Rentenmodells nach dem Vorbild Österreichs. Dort zahlen alle in die gesetzliche Rentenversicherung ein, auch Selbstständige, Freiberufler, Politiker, Manager und Beamte. Im Ergebnis erhalten Rentner in Österreich eine Rente von etwa 70 Prozent ihres vorherigen Einkommens, während es hierzulande nur 48 Prozent oder durchschnittlich 1.373 Euro/Monat bei Männern und nur 890 Euro/Monat für Frauen sind.
Um den Angriff von „neoliberalen Wissenschaftlern, Arbeitgeberverbänden mit ihren Lobbyisten, rechten und konservativen Parteien und ihren Unterstützern in der Medienlandschaft“ auf die soziale Sicherheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abzuwehren verlangt der Schweinfurter DGB von seiner Organisation eine Sozialstaatsoffensive 2026/2027, die umgehend zu starten ist.
Mit dem Vorhaben der Bundesregierung, den 8-Stunden-Tag abzuschaffen ging DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Firsching in seiner Rede hart ins Gericht. Die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, wonach die Arbeitnehmer hierzulande zu bequem und faul geworden seien, verwies Firsching ins Reich der Märchen. Laut statistischem Bundesamt wurden im letzten Jahr mit 61,4 Milliarden Arbeitsstunden so viel noch nie in diesem Land gearbeitet, darunter 1,3 Milliarden Überstunden, die Hälfte davon unbezahlt.
„Wer die Leute täglich 10,12 oder 14 Stunden lang arbeiten lassen will ist schnurstracks auf dem Weg zurück ins 19.Jahrhundert. Er interessiert sich nicht für die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung, sondern sorgt sich um die Renditen der Aktienbesitzenden, die nicht hoch genug ausfallen sollen“, so Firsching. Der DGB jedenfalls streitet weiter mit der Kampagne „Mit Macht für die 8“ für die Beibehaltung des derzeitigen Arbeitszeitgesetzes, was nichts anderes sei als ein Gesundheitsschutzgesetz für die Beschäftigten.
Auf dem Foto des DGB-Kreisvorstandes von links nach rechts: Martina Keller (EVG), Raphael Scheller, Matthias Gebhardt (beide IG Metall), Franziska Müller (DGB-Jugend), Petra Wick-Kiefer (IG BCE), Heike Heck (GEW), Vorsitzender Martin Schmidl, Doris Berz (beide ver.di), Rüdiger Hub (IG BAU), Alexander Haas (NGG), Stefan Reitemeyer (GdP).

