BAD KÖNIGSHOFEN – Diese fünfte Niederlage des TSV Bad Königshofen im sechsten Saisonspiel der Tischtennis-Bundesliga, das 0:3 im Heimspiel gegen den Tabellenführer SV Werder Bremen, zeigte trotz der zahlenmäßig deutlichen Niederlage erneut: Der Playoff-Teilnehmer der letzten zwei Jahre ist auch in dieser Saison ganz nah dran am Spitzen-Niveau der Liga, aber ganz weit weg von der Tabellenspitze.
Dass die Dramaturgie eines Tischtennisspiels oft ganz anders verläuft als in den meisten anderen Sportarten, zeigte erneut diese Partie. In der die Königshöfer mit einer 2:0-Führung in die Pause hätten gehen können, stattdessen 0:2 zurück lagen.
Weil beide Matches bis dahin über fünf Sätze gingen und beide Entscheidungssätze mit 10:12 verloren gingen. Überhaupt gab es in diesen zweieinhalb Stunden Tischtennis auf absolutem Weltklasse-Niveau fünf Satzverlängerungen und einen Matchball, die alle an den Spitzenreiter aus der Hansestadt gingen. „Wenn du Spitzenreiter bist, geht vieles einfacher als sonst“, befand der schwedische Ex-Vizeweltmeister Mattias Falck hinterher. Während Daniel Habesohn zugab, „wenn du hinten drin steckst, läuft manches auf einmal gegen dich.“
Und wie das stimmte! Die größte Verantwortung als Einser, der als einziger des Trios eventuell zwei Einzel bestreiten muss, übertrug Headcoach Koji Itagaki diesmal Bastian Steger. Und der legte los, als könne er seinen Kontrahenten, den Paraguayer Marcelo Aguirre, nur so von der Platte fegen. Der immerhin kürzlich den Olympiasieger Fan Zhendong besiegt hatte. Steger führte 11:7 und 11:3, es war nicht nur eine 2:0-Führung, sondern eine Vorführung des Gegners. Dass dann Satz drei mit 8:11 weg ging, schien zunächst gar nicht tragisch.
Dass er den vierten Durchgang mit 9:11 verlor, wäre zu vermeiden gewesen, wenn er die zwei Fehlaufschläge vermieden hätte. Und im fünften geschah Symptomatisches dieser neunten Bundesligasaison der Königshöfer: Wenn´s knapp wird, entscheiden Millimeter und Millisekunden für den Gegner, hier 10:12 zugunsten des SV Werder. Stegers und Königshofens schöne Führung ging die Saale runter. Selten hat man Basti sich so sehr ärgern gesehen wie diesmal. Weil er wohl ahnte, wie wichtig sein Punkt für ein positives Gesamtergebnis gewesen wäre.
Trotz der folgenden Fünfsatz-Niederlage von Daniel Habesohn gegen den 19:10-Bilanz-Spieler der Vorsaison Kyrill Gerassimenko muss dem Österreicher bestätigt werden, hier sein bestes und Hoffnung für die Restsaison machendes Spiel abgeliefert zu haben. Dafür, wie er sich aus dem mentalen Loch zog nach dem 7:11 im ersten und 11:13 im zweiten Satz, erntete er den Respekt und viel Beifall des Publikums. Er nahm die Aufmunterung des Hallenjockeys mit „Steh auf, wenn du am Boden bist“ der Toten Hosen wörtlich, gewann die Sätze drei und vier jeweils mit 11:9. Wobei er volles Risiko ging, bei noch so engen Spielständen den schnellen Punkt suchte und dem Gegner schon mal den Rückschlag nur so um die Ohren haute. Und bei eigenem Aufschlag den kurzen Ball so kurz spielte, dass er gleich zwei Mal die eigene Tischhälfte touchierte und ins Netz kullerte.
Im fünften Satz schien „Danny“ Habesohn erst davonziehen zu können, wurde bei 7:7 erstmals eingeholt und hatte bei 10:9 Matchball. Doch dann machte Fortuna, wie so oft in den letzten acht Heimspielen, einen Riesen-Bogen um die Shakehands Arena. Wieder 10:12 für die Gäste und 0:2 zur Pause.
Danach sollte ausgerechnet das Geburtstagskind des Vortages, Andre Bertelsmeier wurde 20, die Kastanien aus dem Feuer holen. Sein Wechselbad der Gefühle in den letzten zwei Wochen war schon ein sehr heftiges. Erst der Bronzemedaillengewinn bei der Team-Europameisterschaft in Zadar/Kroatien. Wo er zwar – noch – nicht zum Einsatz kam, aber durch Ovtcharovs Verzicht als Nummer vier bzw. fünf von Deutschland bestätigt wurde. Dann das WTT-Turnier in London, wo er so rechtzeitig knapp im Einzel und Doppel ausschied, dass er hier überhaupt dabei sein konnte.
Und nun gegen Mattias Falck, den Einzel-Vizeweltmeister von 2019, der beim Tabellenführer aus einem, für seine Verhältnisse kleinen Tief raus wollte – und kam. Wie nah dran Bertelsmeier an Falck ist, zeigte der erste Satz, in dem er 10:7 führte, ehe sich die TSV-Pechsträhne doch noch zurück meldete – 10:12. Im zweiten und dritten Satz hatte er dann nichts für eine Wende Entscheidendes mehr zuzusetzen. Pure Spekulation, wie er vielleicht ohne London gespielt hätte. Ein junger Spieler, der vorwärts kommen will, muss diese Strapazen aber auf sich nehmen.
TSV Bad Königshofen – SV Werder Bremen 0:3
Steger – Aguirre 2:3
(11:7/11:3/8:11/9:11/10:12)
Habesohn – Gerassimenko 2:3
(7:11/11:13/11:9/11:9/10:12)
Bertelsmeier – Falck 0:3
(10:12/6:11/7:11)
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Text und Fotos: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news




