BAD KÖNIGSHOFEN – Obwohl man dem Rekordmeister Borussia Düsseldorf schon des Öfteren Paroli bieten konnte, hat man sich beim TSV Bad Königshofen an Niederlagen gewöhnt.
In 16 Liga-, fünf Playoff- und drei Pokalspielen gab es gegen den zweiterfolgreichsten deutschen Sportverein mit 78 Titeln auch fünf Königshöfer Siege.
Diesmal war man so weit entfernt davon wie nie zuvor. Zudem ist es schon lange her, am 18. Januar, dass in der Shakehands-Arena überhaupt ein Heimsieg gefeiert wurde. Und diesmal kamen nur rund 150 Zuschauer. Vor zwei Wochen war die ausverkaufte Halle noch ein Tollhaus.
Am Samstag ging es im ersten von zwei Spielen an zwei Tagen, im Achtelfinale des DTTB-Pokals, gegen die Rheinländer und es gab eine doppelte Ernüchterung für den TSV: Erstens in Sachen Zuschauer-Resonanz. An so wenige wie diesmal (154) konnte sich niemand in den letzten acht Jahren 1. Bundesliga erinnern. Nach dem Rekordbesuch gegen Saarbrücken mit dem Olympiasieger war das Minusrekord. Ein Hauptgrund war natürlich die Terminierung, einen Tag vor dem für viele vielleicht wichtigeren Liga-Spiel am Sonntag. Der offizielle Grund: Düsseldorf hatte keinen anderen Termin mehr frei.
Ernüchterung zweitens: Der Gegner trat zum ersten Mal in dieser Saison mit voller Kapelle an, hätte zwei Mannschaften auflaufen lassen können. Natürlich ließ man die Top-3 antreten mit dem Europameister von 2022 Dang Qiu, dem Schweden Anton Källberg, Gewinner olympischer Medaillen in Paris, und dem Neuzugang, dem US-Amerikaner Kanak Jha (Top 20). Unter anderem saßen der chinesische Neuzugang YongYin Li und der Norweger Borgar Haug auf der Bank.
Los ging´s mit dem Hochkaräter-Duell Bastian Steger gegen Anton Källberg. Natürlich war danach die 1:0-Führung für die Gäste verdient, Källberg in Top-Verfassung eine halbe Nummer zu groß. Steger konnte nur den zweiten Satz für sich verbuchen, weil der Schwede mit seinem variablen Spielsystem, seiner geringeren Fehlerquote dem Spiel den Stempel aufdrückte und bei längeren Ballwechseln immer am längeren Hebel war. Nach dem verlorenen dritten Satz trat das arg dezimierte Publikum zusammen mit dem Hallen-DJ in Erscheinung, pushte man „Basti, Basti“ mit „Steh´auf, wenn du am Ende bist“ von den Toten Hosen. Ohne Erfolg – 1:0 für Düsseldorf. Die Ping-Pong-Ultras liefen dennoch zur Hochform auf.
Das spannendste, weil ausgeglichenste und vermutlich beste Spiel war das zweite Einzel zwischen dem Europameister Dang Qiu und dem TSV-Youngster Andre Bertelsmeier (19). Der schien im ersten Satz zum ersten Mal bei seinem neuen Verein eine Abfuhr beziehen zu müssen, verlor ihn mit 4:11. Was seine Leistung umso mehr aufwertete, war die Art und Weise, wie er diese Beinahe-Demütigung weg steckte, sich selber aus dem Sumpf zog und die nächsten zwei Sätze (11:5/11:6) für sich entschied. Im vierten und fünften Durchgang musste er aber doch seiner Jugend Tribut zollen. Es gab somit keine Sensation, sehr wohl aber jede Menge sensationeller Ballwechsel, wozu gewöhnlich zwei überragende Spieler gehören.
Bertelsmeier bewies, dass er sehr wohl sehr schnell dazuzulernen imstande ist, was Mut für den weiteren Saisonverlauf machen sollte. Schließlich bekam er bisher in jedem Spiel absolute Weltklasseleute wie den Olympiasieger Fan Zhendong oder die Nationalspieler Franziska, Ovtcharov und Dang Qiu vorgesetzt. Die jeweils entscheidenden Bälle am Satz- oder Spiel-Ende wird er irgendwann für sich entscheiden können.
Am weitesten war Daniel Habesohn gegen Kanak Jha (0:3) von einem Sieg entfernt. Mit „Anschwitzen für morgen“ hakte Geschäftsführer Andy Albert entspannt die zwei Stunden Pokalwettkampf ab.
Ergebnisse:
Steger – Källberg 1:3 (7:11/11:8/4:11/7:11); Bertelsmeier – Qiu 2:3 (4:11/11:6/11:5/4:11/7:11); Habesohn – Jha 0:3 (8:11/9:11/8:11) Zuschauende: 154
Unsere beiden Bilder zeigen zwei Mal André Bertelsmeier bei und nach seinem Spiel gegen Dang Qiu.
Text und Fotos: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news


