Der runderneuerte TSV Bad Königshofen steht im Derby beim TTC Fulda-Maberzell auf dem Prüfstand

Der runderneuerte TSV Bad Königshofen steht im Derby beim TTC Fulda-Maberzell auf dem Prüfstand

FULDA / BAD KÖNIGSHOFEN – Die Königshöfer Tischtennis-Helden müssen wieder umschalten. Diesen Montag, 19 Uhr, geht’s im fränkisch-hessischen Nachbarschaftsduell um wichtige Punkte: für den TTC Fulda-Maberzell um die Meisterschaft, für den TSV Bad Königshofen um den Klassenerhalt.

Umschalten müssen Steger und Co aber, was das ganze Drumherum des eigentlichen Spiels betrifft. Vom Zuschaueraufkommen her wird man nicht überrascht sein. Fulda hat Lunte gerochen. Doch toller als vor zehn Tagen beim Fan Zhendong-Hype-Spiel gegen Saarbrücken (1:3) wird es nicht werden. Aber ernster. Natürlich haben Bertelsmeier, Zeljko und Habesohn ernst gemacht gegen Fan, Franziska und Ionescu. Aber irgendwie schwang doch mit, dass man eh kaum Gewinnchancen habe und nur Komparsen in der Show mit der Lichtgestalt Olympiasieger und Weltmeister Fan war.

Das jedenfalls wird in Fulda anders sein, wieder normal eben. Auch wenn die Gastgeber auch so einen Unterschied-Spieler in ihrem Aufgebot haben. Wenn auch Dimitrij Ovtcharovs Glanz seit seiner Verpflichtung vor einem Jahre (bis 2027) ein wenig blasser geworden ist. Der seit kurzem 38-jährige, vielfache Gewinner internationaler Medaillen im Einzel und der Nationalmannschaft war in seiner besten Zeit 2018 einmal die Nummer 1 der Weltrangliste, ist in der aktuellen aber auf 31 abgerutscht. Zum Saisonauftakt setzte er aber gegen Borussia Düsseldorf ein Ausrufezeichen, holte den einzigen Punkt gegen den Chinesen Yong Yin Li. Am zweiten Spieltag unterlag Ovtcharov bei Borussia Dortmund zwar gegen den Dänen Anders Lind 0:3, holte aber am Ende des Vier-Stunden-Krimis zusammen mit Fan Bo Meng den entscheidenden Siegpunkt im Entscheidungsdoppel. Bei maximaler Spannung mit 11:9 im fünften Entscheidungssatz.

Zuvor hatte sich der Däne Jonathan Groth nach seiner Rückkehr zum TTC Fulda sofort als Leistungsträger bewährt und nach Ruwen Filus´ Niederlage gegen Adam Szudi ausgeglichen. Im vierten Einzel sorgte er durch seinen Sieg gegen Karlsson dafür, dass die Hessen doch noch ins Doppel kamen und mit einem Sieg heim fahren konnten. Fulda ist somit Neunter (2:2), geht aber nicht nur deshalb als Favorit gegen Bad Königshofen (11./0:4) ins Rennen.

Das Nachbarschaftsduell, nach Fulda geht die kürzeste Reise der Königshöfer in der TTBL, hat schon so etwas wie Traditions-Charakter. 15 Liga-Begegnungen gab es bisher, 8:7 für die Osthessen. In der vergangenen Saison gewannen beide Vereine ihr Heimspiel, das Hinspiel der TTC mit 3:1, das Rückspiel der TSV mit 3:2.

Nicht nur aufgrund der geografischen Nähe ist wieder mit zahlreicher Unterstützung durch TSV-Fans in der Hubtec-Arena zu rechnen. Über die gegen Saarbrücken erlittene Heimniederlage wurde hinterher kaum lamentiert, als sei sie einberechnet gewesen in den rein mathematisch erreichten Fehlstart. Man sollte sich auch nicht an den Negativ-Prognosen orientieren, die das Ausmaß des Rückstands nach sechs Spieltagen zum übrigen Feld auf bis 0:12 Punkte berechneten. Als ärgerlich wird bisher nur die Auftakt-Niederlage (1:3) in Grenzau empfunden, weil sie vermeidbar gewesen wäre, zumal bei der Aufstellung des Gegners.

Daniel Habesohn, der dort mit zwei Niederlagen als Einser einen äußerst unglücklichen Einstand beim TSV feierte, hat sich ausgerechnet gegen den Saarbrücker Eduard Ionescu mit einem 3:1-Sieg zurück gemeldet. Wäre es zum Schlussdoppel gekommen, hätte er zusammen mit Bastian Steger eine gewaltige Portion Erfahrung mit eingebracht. Vielleicht reicht es ja diesmal zu einer finalen Entscheidung im Doppel, in dem die Königshöfer in der vergangenen Runde die Erfolgreichsten (9:2) waren. Auf die beiden würden vermutlich Ovtcharov/Meng warten.

Kilian Ort wird Trainer in Grünwettersbach

Mehr als 20 Jahre spielte Kilian Ort (29) für seinen Heimatverein TSV Bad Königshofen Tischtennis, wurde bei Bundesligaspielen immer „Eigengewächs“ genannt. Beider Wege und Erfolge sind untrennbar mit verbunden. Orts beste Weltranglistenposition war die 48. In der Liga hatte er auf seinem Höhepunkt alle nationalen und internationalen Spitzenspieler mindestens ein Mal geschlagen, u.a. Timo Boll in Düsseldorf. Mit ihm (als 13-Jährigem) schaffte der TSV den Durchmarsch von der Landesliga bis in die 1.Bundesliga. Er wurde Nationalspieler und gewann Medaillen bei internationalen WTT-Contender-Turnieren.

Vor zwei Jahren dann zwangen ihn gesundheitliche Probleme – die Bandscheibe – seine Karriere zunächst zu unterbrechen und Anfang 2025 vorzeitig zu beenden. Dass er einmal ein anderes als das TSV-Emblem auf einem Shirt oder Trainingsanzug tragen würde, konnte sich niemand vorstellen. Vor dem letzten Heimspiel gegen Saarbrücken wurde die Haupttribüne der Shakehands-Arena offiziell zur Kilian-Ort-Tribüne ernannt – ohne Kilians Anwesenheit.

Was die TSV-Verantwortlichen Anfang dieser Woche erfuhren, wurde am Donnerstag durch eine Mitteilung des Bundesliga-Konkurrenten der Grabfelder, den ASC Grünwettersbach, bekannt und verbreitete sich in Windeseile. Der Verein aus dem Karlsruher Stadtteil hat sich überraschend von seinem Trainer Achim Krämer getrennt und zog sehr rasch seinen Nachfolger aus dem Ärmel, was als Coup hinter der Bande wie ein Paukenschlag in Tischtennis-Deutschland einschlug. Wie es dazu kam, erklärte Ort in einem Gespräch am Donnerstagabend.

„Grünwettersbach hatte ja zu Saisonbeginn noch einen Trainer. Wann sie sich trennten, weiß ich nicht. Ich habe mir auch keine Gedanken gemacht, weil ich weiß, dass man in der TTBL die A-Lizenz braucht, die ich noch nicht habe.“ Im Verein habe sie aber jemand, was ausreiche. „Dann ging es relativ fix, haben wir unterschrieben.“ Wahrscheinlich werde er die A-Lizenz irgendwann auch machen. „Mein Auftrag ist, dass ich mich bis Ende der Saison um die erste Mannschaft während der Spiele in der TTBL, im Pokal und in der Champions League kümmere, sie betreue und coache. Fürs Training an sich unter der Woche bin ich nicht zuständig, reise nur zu den Spielen aus Düsseldorf an.“

Das ließe sich neben seinem reinen online-Studium in Sport-Management organisieren. „Ich muss niemandem Tischtennis beibringen, es geht nur ums Coachen, wo ich meine Erfahrung einbringen kann. Ich kenne sie ja, habe schon gegen alle von Grünwettersbach gespielt, die jetzt dort sind: Ricardo Walther, Hiroto Shinozuka oder Tiago Apolonia. Alle drei sind ja bessere Spieler als ich es war. Mit Walther und Tobias Hippler habe ich sogar schon zusammen Doppel gespielt. Sie erwarten keine Wunderdinge von mir, sondern erhoffen sich, dass ich eine gute Atmosphäre in die Mannschaft bringe, die Jungs pushe und da und dort was Wichtiges beisteuern und eine andere Sichtweise rein bringen kann.“

Warum Grünwettersbach und nicht Bad Königshofen? „Da ist ja Koji Itagaki, ein ganz erfahrener Mann und kein Posten frei, TTBL-Coaching schon gar nicht.“ Zudem sei der ASC ein vergleichbar familiär geführter Verein sei. „Da ist viel Leidenschaft dabei, viele Frauen und Männer, die genau so anpacken wie in Königshofen. Mit ihrem Manager Martin Werner habe ich mich schon immer gut verstanden. Der Verein ist einfach in Ordnung.“

Der ASC lässt verlauten: „Kilian bringt die besten Voraussetzungen mit, unserem Team die nötigen Impulse mit seiner internationalen Erfahrung zu geben. Er kennt die TTBL aus dem Effeff und wird auf der Bank brennen. Zudem passt er perfekt in die familiären Strukturen unseres Vereins.“ Ricardo Walther, nach der Trennung von Achim Krämer übergangsweise der Spielertrainer, begrüßt die Verpflichtung: „Ich kenne Kilian seit über zehn Jahren von vielen Lehrgängen und Turnieren. Er ist ein Kämpfer, ein Taktik-Experte und meine absolute Wunschlösung für den Verein. Mit ihm als Trainer kann ich mich nun wieder voll auf meine Aufgabe als Spieler konzentrieren.“

Ort selber wird auf der ASC-Homepage zitiert: „Ich fühle mich geehrt, die 1. Mannschaft des ASC betreuen zu dürfen. Gemeinsam mit den enthusiastischen ASC-Fans ist es mein Ziel, eine Atmosphäre zu kreieren, die das Maximum aus allen Spielern herausholt. Für das entgegengebrachte Vertrauen und die große Wertschätzung möchte ich mich … bedanken.“

TSV-Geschäftsführer Andy Albert: „Wir glauben, dass Kilian in seiner neuen Position Großes leisten wird und wünschen ihm alles Gute und viel Erfolg für seine erste Station als Coach. Viel Spaß in Grünwettersbach! Wir sind stolz auf dich und werden deine Schritte weiterhin aufmerksam verfolgen.“

Auf den Bildern: Die beiden Bad Königshofener Daniel Habesohn und Andre Bertelsmeier

Texte und Fotos: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

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