SCHWEINFURT – Baumschutzverordnung, Natur statt Beton, Stadtwald statt Landesgartenschau: Mit Bürgerbegehren kennt sich Dr. Ulrike Schneider aus. Nun gibt´s binnen weniger Jahre ein viertes, das sie allerdings nur begleitend verfolgt als Stadträtin der Initiative Zukunft/ödp.
Die Ingenieure Ines Bender und Hartmut Bach sind es, die federführend die Rückkehr zum alten Stadtbussystem erwirken wollen. „Daran führt kein Weg vorbei. Denn der Unmut der Bevölkerung, von Schülern über Managern bis zu den Senioren, toppt alles, was je da war“, hat Schneider erfahren. Und sie weiß, dass Mirko Hrnjak, Leiter der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Schweinfurt GmbH, die ermittelten Zahlen von Bender und Bach bestätigte.
Für beide Ingenieure, die sich massivst mit dem neuen Stadtbussystem befassen, das seit Anfang 2025 gültig ist, steht fest: Es muss das Comeback geben! „Ich bin regelrecht entsetzt, welches Massaker angerichtet wurde mit dem neuen“, drückt es Hartmut Bach dramatisch aus. Mit Zick Zack-Fahrten durch den Stadtteil Bergl würden beispielsweise nun mehr Kilometer und mehr Fahrtzeit höhere Kosten bedeuten. Zeitgleich wären ein Drittel der Fahrten jedoch weggefallen. Busse würden an Endstellen minutenlang warten, zusammen summierte 60 Stunden an Werktagen. Was bedeutet, das umgerechnet sieben Busfahrer pro Tag nicht fahren würden, aber bezahlt werden. „Scheiben putzen“ habe Bach als Antwort bekommen auf die Frage, was die Fahrer in dieser Zeit machen würden…
Doch nicht nur mehr Fahrer für weniger Fahrten müssten bezahlt werden, neben den Kosten sei auch die Effizienz fraglich. Früher sei das Ziel gewesen, möglichst viele Menschen von A nach B zu bringen. Nun gelte der Vorsatz, zu einer bestimmten Zeit am Roßmarkt zu sein, wo dann die Umsteigehatz beginnt. Ines Bender berichtet, dass früher zu sechs verschiedenen Zeiten Busse am Kornmarkt fuhren. Heute sind es vier zur selben Zeit, während diejenigen, die einen verpassen, dann eine halbe Stunde mit Warten totschlagen müssen. „Das Prinzip wurde vollständig verändert, die Effizienz hat sich unglaublich verschlechtert. Als Hausfrau kauft man dann halt nicht mehr ein in Schweinfurt.“ Oder fährt mit dem Auto…
Bei einer Bürgerversammlung am Bergl soll Mirko Hrnjak geäußert haben, man könne zum alten System zurück kehren, wenn der Stadtrat das so beschließt. Alle Anwesenden hätten die Hand gehoben und den Wunsch dazu geäußert. Hrnjaks Vorvorgänger Ulrich Lapp hätte den Initatoren bestätigt, dass es mit einem Knopfdruck möglich wäre, alle Basisdaten zu bekommen, nach denen Schneider und Mitstreiter bereits im Februar fragten. Ohne bislang diese Zahlen von den Stadtwerken zu erhalten. Es kann nur gemutmaßt werden, dass sich hochbezahlte Mitarbeiter hier keine Blöße geben wollen….
Am kommenden Montag schon, 15.09., finden zwei Auftaktveranstaltungen statt zum Bürgerbegehren „Rückkehr zum alten Stadtbussystem“. Und zwar um 15 Uhr im Pfarrsaal der Sr. Peter und Paul-Kirche in der Adolf Kolping-Straße am Hochfeld und dann um 18 Uhr im Pfarrsaal der Christkönig-Kirche in der Albert Schweitzer-Straße am Bergl.
Ab sofort liegen auch Unterschriftenlisten an diversen Stellen aus, vor allem in der zentralen Anlaufstation der Buchhandlung Collibri am Marktplatz. 2400 gültige Unterschriften von Stadtbewohnern sind notwendig, um den Bürgerentscheid auszulösen. Unterschreiben dürfen freilich auch Bürger und Busfahrer aus dem Landkreis Schweinfurt, der ja ebenso von den Verkehrsbetrieben zum Teil angesteuert wird. Um eine noch deutlichere Botschaft an die Stadtwerke zu versenden.
Schon bis Mitte November wollen die Initiatoren die Listen dann im Rathaus einreichen, dort werden die Zahl und die Gültigkeit geprüft. Mitte Dezember findet danach die entscheidende Stadtratssitzung statt, wo entscheiden werden muss, wann in der Folge des nächsten Vierteljahres dieser Bürgerentscheid stattfinden soll. Angedacht ist – und das macht aus Kostengründen absolut Sinn! – Sonntag, der 8. März 2026, wenn ohnehin in Schweinfurt bei den Kommunalwahlen die Frage nach dem neuen Oberbürgermeister zumindest vorbeantwortet wird.
Unser Bild zeigt die Haltestelle an Marktplatz vor dem Rathaus und Dr. Ulrike Schneider zwischen den beiden Ingenieuren Ines Bender und Hartmut Bach.
Und hier noch die ausführliche Pressemeldung:
Bürgerbegehren „Zurück zum alten Stadtbussystem –
Endlich wieder mit Freude Bus fahren“
Schweinfurt. Nach über acht Monaten zeigt sich: Das neue Stadtbuskonzept 2.0 stößt auf breite Ablehnung. Viele Bürger wenden sich vom Bus ab, steigen aufs Auto um oder meiden die Innenstadt. Die Ingenieure Ines Bender und Hartmut Bach starten daher ein Bürgerbegehren zur Rückkehr zum alten Stadtbussystem. Stadträtin Ulrike Schneider unterstützt die Initiative: „Ich bin in großer Sorge um die Zukunft des Schweinfurter ÖPNV und damit um die Innenstadt! Daher unterstütze ich als Stadträtin das Unterfangen, den Bürgern und Busnutzern eine Stimme zu geben.
Kritik an fehlenden Verbesserungen und Angebotsabbau
Angekündigte Nachbesserungen seien laut den Initiatoren kaum mehr als Kosmetik. Besonders betroffen sei der Stadtteil Bergl – ohne nennenswerte Änderungen trotz massiver Kritik. Dort gingen werktags rund ein Drittel, am Wochenende sogar die Hälfte der Fahrten verloren. Die neue Zick-Zack-Streckenführung verursache längere Fahrzeiten, mehr Kosten und Verkehrsprobleme. Bach: „Eine Rückkehr zur alten Streckenführung würde alleine über 200.000 € im Jahr einsparen.“
Ein großer Kritikpunkt: Der Wegfall zeitlich versetzter Fahrten. Statt dichtem Takt fahren heute viele Linien gleichzeitig – danach lange nichts. Bender: „Heute treffen am Kornmarkt innerhalb von 30 Minuten vier Busse zur exakt selben Zeit ein – und dann 29 Minuten lang keiner mehr!“ Früher trafen innerhalb von 30 Minuten sechs Busse zeitlich versetzt ein. Ein Busnutzer aus diesem Bereich habe dadurch 83 % seiner Fahrtmöglichkeiten verloren.
Hohe Kosten für Haltestellenverlagerung und fehlende Transparenz
Bereits barrierefrei ausgebaute Haltestellen wurden durch die neue Linienführung überflüssig, Neuerrichtungen kosten laut Stadt bis zu 80.000 € pro Haltepunkt. Der dadurch entstehende Schaden beläuft sich auf mehrere Hunderttausend Euro.
Die Initiatoren kritisieren zudem fehlende Zahlen für den Stadtrat. Trotz Kürzungen um rund 130 Fahrten täglich werden fünf zusätzliche Fahrer benötigt. Bach zeigt sich empört: Der alte Fahrplan sei laut dem Verkehrsbetriebsleiter Hrnjak selbst „der wirtschaftlichste Plan“, den er je gesehen habe. Warum als diese massiven Änderungen am System?
Digitale Barrieren und Auswirkungen auf die Innenstadt
Mit der Abschaffung der FlexiCard und dem neuen Bezahlsystem SWeasy wurde vielen älteren Menschen der Zugang zum ÖPNV sehr erschwert. Ulrike Schneider verweist auf Zuschriften von Senioren und auf das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: „Eine Stadt im 21. Jahrhundert muss dafür sorgen, dass die Nutzung des ÖPNV auch und gerade für ihre älteren Mitbürger angenehm und fair funktioniert.“ Es darf niemand von der erzwungenen Digitalisierung an den Rand gedrängt werden und aufgrund eines fehlenden Smartphones von Preisrabatten ausgeschlossen sein.
Zudem habe die Innenstadt durch die Linienverlagerung deutlich an Besuchern verloren, so Schneider. Vor allem Marktplatz und Roßmarkt litten unter dem Rückgang.
Bürgerbegehren und Ausblick
„Es hilft kein kosmetisches Feilen – der Fehler liegt im System“, sagen Bach und Bender. Auch Verkehrsbetriebsleiter Hrnjak habe bei einer Veranstaltung Bereitschaft signalisiert, bei politischem Auftrag zum alten System zurückzukehren. Nun seien die Bürger gefragt.
Zwei Auftaktveranstaltungen zum Bürgerbegehren finden am Montag, 15. September 2025 statt:
⦁ 15:00 Uhr im Pfarrsaal St. Peter und Paul (Hochfeld)
⦁ 18:00 Uhr im Pfarrsaal Christkönig (Bergl)
Ziel ist es, mindestens 2.400 gültige Unterschriften bis Mitte November zu sammeln, damit das Bürgerbegehren mit der Kommunalwahl zusammengelegt werden kann. Die zentrale Anlaufstelle ist die Buchhandlung Collibri, wo Listen abgeholt und wieder abgegeben werden können. Außerdem beteiligen sich viele Einzelhändler an der Sammlung. Die Listen können auch im Internet heruntergeladen werden: https://sites.google.com/view/buergerbegehren-stadtbus-sw




Für die „Rückkehr zum alten Stadtbussystem“ sind bis Mitte November ganz gewiss 2400 gültige Schweinfurter Unterschriften zu schaffen.
… und dann: 🙂
Vom eindrucksvollen 8. Oktober 2023 „Natur statt Beton“ in Oberndorf hin zum ebenso erfolgreichen 8. März 2026 „Endlich wieder mit Freude Bus fahren❗“
Unterschreibt zuhauf ❗❗
Fahre selten Bus. Habe am Aushang vergeblich nach GARTENSTADT Fahrplan gesucht !!
Dann an Haltestelle in „Gartenstadt Bus“ eingestiegen & bekam stille Panik weil Bus Richtung NIEDERWERRN fuhr !?!?!?!