SCHWEINFURT – Nicht unerwartet hat der Stadtrat bei seiner Sitzung am Dienstagnachmittag im Rathaus einem Antrag von Dr. Ulrike Schneider (Initiative Zukunft / ödp) nicht stattgegeben. Es ging um grundlegende Änderungen im Öffentlichen Personen-Nahverkehr. Nach zweieinhalb Stunden wurde der Tagesordnungspunkt vertagt.
Trotzdem ändert sich bald einiges im Stadtbusnetz. Da stimmten die Volksvertreter in der Mehrheit zu. Unten der Antrag von Dr. Schneider, die Beschlussvorlage der Stadt und die Auflistung der Änderungen. Vorher das:
Es wurde natürlich mal wieder teils heftig diskutiert. Stundenlang sogar! Für Oberbürgermeister Sebastian Remelé und die Stadtverwaltung ist klar, dass es kein Zurück mehr geben kann in Sachen Digitalisierung und neuer Linienführung.
Kein Wunder, dass CSU-Stadtrat Klaus Rehberger dem zustimmte. „Zeit und große Geduld“ benötige so eine Umstellung. „Unzufriedenheiten und Anpassungsschwierigkeiten“ seien erwartbar gewesen. Probleme aber hätten die Stadtwerke in den letzten sieben Monaten angegangen. Finanz-Referentin Dr. Barbara Keck spricht von auch vielen positiven Reaktionen der Bürger. „Das System ist bei aller berechtigten Kritik auf alle Fälle zukunftsfähig!“ Thomas Kästner, Geschäftsführer der Stadtwerke, sprach vom „erfolgreichen Umsetzen“ der Veränderungen. Alles also gut?
Mitnichten! Für Dr. Ulrike Schneider sei die Umstellung weiterhin ein „großes Desaster“ mit massiver Empörung aus der Bevölkerung. Und da könne man „nicht einfach weghören und das weglächeln. Schneider sprach vom „Schildbürgerstreich“ und dass ihr Fazit aufgrund von Reaktionen zu hunderten auf Facebook so ausfällt: „Wir haben eine Verkehrswende weg vom ÖPNV erreicht!“
Das Auschecken funktioniere oft nicht, belaste gerade ältere Leute. Die Busfahrer müssen an ganz vielen Endhaltestellen warten, insgesamt stundenlang am Tag, teils mit laufendem Motor vor den Häusern. Im Stadtteil Steinberg gab´s mal sieben bis acht Haltepunkte, jetzt nur noch eine. 36 Prozent weniger Fahrten würde es zum Bergl geben. Bei 210.000 Euro Kosten mehr laut eigenen Berechnungen. „Da können nicht mehr wegschauen!“
Dr. Schneider: „Ihnen ist die Innenstadt völlig egal. Dass der Busverkehr systematisch raus ist, ist ein Wahnsinn. Am Marktplatz ist kaum noch Leben. Meine Mutter will ihr Gemüse vom Bio-Bauern nicht an den Rusterberg schleppen. Ich weiß nicht, wie diese Innenstadt sich noch berappeln will, wenn wir das Leben dort zerstören!“
Ralf Hofmann, SPD-Oberbürgermeister-Kandidat, stimmte in einigen Teilen der Kritik von Dr. Schneider zu. Auch was deren „nebulöse Angaben“ seitens der Stadtwerke auf Anfragen betrifft. „Die Kritikpunkte wurden ernst genommen, sind aber nicht alle 1 zu 1 umsetzbar. Uns fehlen die Fakten und die belastbaren Zahlen, damit die Datenbasis! Wir brauchen auch Rabattierungsmöglichkeiten für ältere Menschen. Und bestimmte Bereich gerade in den größeren Stadtteilen sind nicht mehr angebunden.“
Frank Firsching von den Linken weiß: „Die Kritik von Frau Schneider ist berechtigt. Ich meide das Busfahren seit Februar und habe mir ein E-Bike gekauft!“ Gründe? „Ich weiß nicht, was vom Konto abgebucht wird.“ Zwei Mal sei es ihm passiert, dass er zu viel zahlen musste. Es käme zu Einnahmeverlusten, wenn weniger Leute mit dem Bus fahren, „dazu liegen aber leider keine Zahlen vor“. Firsching ärgerte sich über den Stil der Beschlussvorlage. Die sei abwertend geschrieben. Es werde unterstellt, dass ältere Leute kein Smartphone bedienen können. „Wir sollten uns ohne Sarkasmus damit befassen!“ Zu lesen ist auch, dass eine Kombination der Systeme alt/neu nicht möglich sei. Und zwar „ohne weiteres nicht“. „Das aber bedeutet, dass es „mit weiterem“ also schon möglich ist?“
Drei Punkte regen die Linken an, auf dem Bildunten zu sehen im Winter beim Stadtbusfahren: Zur besseren Abdeckung sollten die Strecken wieder in Schleifen abgefahren werden. Rabatte sind wichtig für alle, nicht nur für Benutzer von Smartphones. „Und am Samstag sollten die Busse bis 24 Uhr fahren, wenn wir die Innenstadt fördern woillen.“ Wichtig zudem für Firsching: Eine Fahrgäste-Befragung! Wie groß ist die Unzufriedenheit? Plus eine Erhebung der Fahrgastzahlen, „das alles relativ zügig“.
Der Freie Wähler Stefan Labus wollte „eine Lanze brechen für Dr. Schneider“, weil sie sich wohl am intensivsten eingearbeitet hat in das Stadtbus-Thema. Er dankte ihr „im Namen der Bürger, die ihre Probleme haben“. Der große Wurf aber, von dem OB Sebastian Remelé noch eine Stunde vorher sprach, wurde für Labus „nur noch kleines Würfchen“. Man möge „bitte Sachen ernst nehmen und nachjustieren.“
Der Oberbürgermeister schaltete sich angesichts der immer mehr Anmeldungen zu Wortbeiträgen ein und fragte ob der Stadzrat wirklich das geeigenete Plenum sei, um derart in die Detailtiefe einzusteigen. Es sei „nicht die Aufgabe dieses Gremiums, dazu gibt es den Aufsichtsrat der Stadtwerke. Zudem sind Profis am Werk bei den Stadtwerken, die sich seit Monaten bemühen, den großen Wurf erfolgreich umzusetzen, und die Mängelbeiseitigung in Aussicht stellen.“ Remelé sprach von „paradiesischen Zuständen“ im Vergleich zum Land, wo teilweise gar keine Busse mehr fahren.
CSU-OB-Kandidat Oliver Schulte will „älteren Menschen etwas zutrauen, denn das alles ist nicht ein pauschales Problem der älteren Bevölkerung.“ Dr. Schneider empfahl er, sie möge ihrer Mutter die Benutzung des Bussystems mit einer Prepaid-Karte erklären. Und erntete damit eine erboste Reaktion, die darin gipfelte, dass Dr. Schneider Schulte sicher nicht zum Oberbürgermeister wählen wird. Der Stadtrat weiß das nun seit Dienstag…
Als es 17 Uhr war, beantragte Dr. Johannes Petersen für die SPD die Vertagung zu einer Sitzung, bis die angemahnten Zahlen vorliegen, vorher hätte man keine Möglichkeit inhaltlich zu entscheiden. Sechs Wochen mindestens werde das dauern. Die große Mehrheit stimmt dafür.
Danach beantragte Dr. Ulrike Schneider auch die Vertagung der von den Stadtwerken angeregten Veränderungen. Weil es nur „kosmetische Anpassungen“ seien „und wir über Kleinstveränderungen entscheiden, ohne Zahlen und Fakten zu kennen“. Denn dann stelle sich die Frage: „Was bedeuten diese Änderungen?“
Nur drei Stadträte/-rätinnen stimmten für diese Vertagung, allerdings der Beschluss über die Verlegung der Wartehäuschen ausgegliedert und somit aufgeschoben.
Und hier nun Anträge und Beschlussvorlagen:
Antrag: Grundlegende Änderungen im ÖPNV
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sowohl das neue Stadtbus-System 2.0 als auch die Art und Weise, wie es eingeführt wurde, sind mehr als „suboptimal“, um es ganz freundlich auszudrücken. Hier wesentliche Kritikpunkte, die Liste ließe sich fortsetzen:
- Menschen, die keine Smartphones nutzen, werden extrem benachteiligt. Sie haben keine Chance, Vergünstigungen zu erhalten. Weder mit der Kreditkarte noch mit der Prepaid Karte kann man die vergünstigten 6er Karten nutzen. Für diese Menschen (vor allem auch Schüler und Senioren, die auf den Bus angewiesen sind) gilt durchgängig der bedeutend teurer gewordene Einzelpreis.
- Die Verlegung vieler Haltestellen, die Einführung starrer Taktzeiten und eine beträchtliche Ausdünnung der Fahrhäufigkeit stellen – vor allem aus Kundensicht – an vielen Stellen eine deutliche Verschlechterung dar.
- Hinzu kommt bei der neuen Linienführung die nicht unwichtige Sicht auf die Innenstadt, die es zu beleben und nicht zu entvölkern gilt. Mit der Verlegung von zwei von drei Buslinien weg vom Marktplatz wird das Gegenteil erreicht. Am Marktplatz hält einzig noch die Hochfeld-Linie – die Bürger vom Deutschhof, aus Mainberg, Schonungen und Hausen werden dort nicht mehr abgesetzt. Marktleute wie auch Geschäftsleute vermerken schon eine deutlichen Rückgang der Ge-schäfte.
- Da sich auch der Personalbedarf nicht zuletzt aufgrund der langen Wartezeiten (täglich über 50 Stunden, berechnet sind hier nur die Wartezeiten über 10 min) für die Stadtwerke enorm erhöht (6-8 Busfahrer mehr), ist die Rückkehr zum alten Bus-System mehr als ratsam.
Diese und weitere Kritikpunkte sind so wesentlich, dass sie vom Stadtrat erneut diskutiert und berücksichtigt werden müssen.
Ich stelle daher im Namen der Initiative ZUKUNFT.ödp folgenden Antrag:
- Das neue Stadtbussystem 2.0 wird „rückabgewickelt“, um zum alten Liniensystem ohne lange Wartezeiten an den Endhaltestellen und ohne 30 min Tak-tungskorsett zurückzukehren. Dabei können einzelne Änderungen, die sich als sinnvoll herausgestellt haben, mit einfließen.
- Die Flexicard wird als bewährtes Zahlungsmittel wieder ins Portfolio aufgenommen, falls die technische Ausstattung dafür noch zur Verfügung steht.
- Die Fahrgäste, welche die Flexicard, Prepaid-Karte oder Bankkarte als Zahlungsmittel nutzen, kommen ebenso wie die Smartphone Nutzer in den Ge-nuss von Rabattierungen (6er Karte).
Finanzielle Auswirkungen: Durch die Stadtwerke zu berechnen und im Haushalt einzuplanen.
Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima: Beträchtliche, wenn mit den Änderungen verhindert werden kann, dass immer mehr Menschen Abstand von der Nutzung des ÖPNV nehmen.
Dr. Ulrike Schneider
Stadträtin
Antrag von Initiative ZUKUNFT/ödp: Rückabwicklung Stadtbus 2.0
Sachdarstellung der Stadtverwaltung:
Frau Dr. Schneider stellt im Namen der Initiative ZUKUNFT/ödp einen Antrag, der grundlegende Änderungen im ÖPNV vorsieht. Zudem äußert sie einige Kritikpunkte, auf die hier eingegangen werden soll.
Kritikpunkte: Benachteiligung Menschen ohne Smartphone (v.a. Senioren), die einige Rabatte nicht nutzen können
Antwort: Auch wenn Senioren eine wachsende Bevölkerungsgruppe sind, heißt das nicht, dass sie kein Smartphone bedienen können. Smartphones sind seit über zehn Jahren gang und gäbe, so dass auch Personen über 65 Jahren durchaus mit der Bedienung dieser Geräte vertraut sind.
Insbesondere für ältere Fahrgäste besteht zudem die Möglichkeit, ein 9-Uhr-Abo zu erwerben. Dieses ist ohne Smartphone nutzbar. Eine Monatskarte kostet dabei 40,80 Euro für eine Wabe und ist damit deutlich günstiger als das Deutschlandticket. Selbstverständlich ist auch das D-Ticket als Karte erhältlich und somit ebenfalls ohne Smartphone zugänglich.
Ebenso zu berücksichtigen ist, dass viele Senioren, selbstverständlich nicht alle, ohnehin über einen Schwerbehindertenausweis mit entsprechender Freifahrt verfügen.
Das neue System wurde vor Einführung dem Senioren- und dem Behindertenbeirat vorgestellt und dort für gut befunden, zudem gibt es viele Info-Veranstaltungen, zum Teil auch mit der Möglichkeit, die Systeme zu testen.
Streichung von Haltestellen, dafür Einrichtung von neuen teuren Haltestellen
Antwort: Bushaltestellen müssen nach gesetzlicher Forderung barrierefrei sein. Hierzu zählen taktile Rillen und eine angepasste Einstiegshöhe. Der Ausbau einer Haltestelle zur Barrierefreiheit kostet einen Eigenanteil von rund 20.000 Euro, nicht barrierefreie Haltestellen kosten rund 300 Euro. Hierbei ist es für die Barrierefreiheit irrelevant ob eine Haltestelle ein Wartehäuschen hat. Die Stadtwerke haben eine Kooperation mit einer Werbefirma, die die einmalige Aufstellung oder den Umzug von Wartehäuschen übernimmt. Dadurch entstehen keine Kosten für die Stadtwerke oder die Stadt.
Von den rund 100 aufgegebenen Haltestellen waren über 90% nicht barrierefrei und hätten in den kommenden Jahren nachgerüstet werden müssen.
Einführung einer einheitlichen Taktung
Antwort: Da der Nahverkehrsplan bessere kundenorientierte Umsteigebeziehungen sinnvollerweise einfordert, wurde das System auf eine einheitliche Taktung umgestellt. Im Oktober wird mit dem Fahrplanwechsel die Umsteigezeit am Roßmarkt für die meisten Linien von 5 auf 7 Minuten erhöht, um auch den Fahrgästen nochmals eine Komfortsteigerung beim Umstieg anzubieten. Hierdurch verringert sich auch die Wartezeit an den Endhaltestellen.
Streichung von Fahrten
Antwort: Um das neue System möglichst kostenneutral umzusetzen, mussten Fahrten neu strukturiert werden. Zudem musste durch die geforderten verbesserten der Umsteigebeziehungen einzelne Fahrten gestrichten werden. Dennoch kamen auch Fahrten hinzu, vor allem sog. Freizeitverbindungen z.B. die verstärkte Anbindung zum Baggersee am Wochenende. Ab Oktober (Fahrplanwechsel) werden auch der Wildpark und das Silvana noch besser angebunden. Zudem wird es die neue Linie 145 geben, die den Hafen Ost zusätzlich bedienen wird.
Wegverlagerung zweier Linien von der Haltestelle Marktplatz
Antwort: Da sich die Haltestelle Marktplatz in einer Fußgängerzone befindet und hier der Verkehr allgemein auf ein Minimum begrenzt werden sollte, ist es sinnvoll, den Marktplatz und die Rückertstraße nur noch durch eine einzelne Linie zu bedienen. Bei Unfällen in der Fußgängerzone tragen Busfahrer in der Regel die Verantwortung. Somit wurde durch die Umstellung nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Aufenthaltsqualität auf den Außenterrassen erhöht. In der Vergangenheit haben sich insbesondere die Geschäftsleute in der Rückertstraße über das hohe Busaufkommen beklagt. Zudem kam es vereinzelt zu Unfällen, unter anderem mit Sonnenschirmen der Außengastronomie.
Mit den Haltestellen „Museum Georg Schäfer“ und „Kornmarkt“ befinden sich zwei weitere zentrale und gut erreichbare Haltepunkte in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz.
Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass der Marktplatz aufgrund seiner Funktion als Veranstaltungsort auch regelmäßig für den Busverkehr gesperrt ist. Das betrifft z.B. Stadt- und Weinfeste, den Weihnachtsmarkt / Winterdorf, Ramadama, aber auch Demonstrationen oder den Faschingsumzug. Ein häufiger Entfall des Haltepunkts ist sowohl betrieblich als auch aus Fahrgastsicht nicht attraktiv.
Höherer Personalbedarf als früher
Antwort: Das Schreiben von Frau Dr. Schneider spricht von rechnerisch 6-8 Personen, die mehr gebraucht werden. Tatsächlich erhöht sich die Fahrzeit in Summe so, dass 5 Personen mehr im Fahrdienst gebraucht werden.
Das System Stadtbus 2.0 bietet attraktivere Arbeitsbedingungen, vor allem weniger geteilte Dienste (d.h. Dienste mit einer Pause von 2 Stunden oder mehr). Dies war eine klare Forderung des Betriebsrats. Somit wäre der Mehrbedarf auch im alten Bussystem erforderlich gewesen.
Insgesamt hat das neue Netz mehr Arbeitsstunden, was sich nicht nur aus den neuen Taktzeiten, sondern auch aus den vom Betriebsrat geforderten Anpassungen bei der Dienstgestaltung sowie aus der Überarbeitung der Fahrzeiten ergibt. Durch die Effizienzgewinne bei den gefahrenen Kilometern können die Gesamtkosten aber im Ergebnis reduziert werden.
Der Antrag selbst beinhaltet folgende Punkte:
- Das neue Stadtbussystem 2.0 wird „rückabgewickelt“, um zum alten Liniensystem ohne lange Wartezeiten an den Endhaltestellen und ohne 30 min Taktungskorsett zurückzukehren. Dabei können einzelne Änderungen, die sich als sinnvoll herausgestellt haben, mit einfließen.
Antwort: Das neue Liniensystem wurde basierend auf dem gemeinsamen Nahverkehrsplan von Stadt und Landkreis Schweinfurt im Rahmen eines Nahverkehrskonzepts von den Stadtwerken in Abstimmung mit der Stadt Schweinfurt als Aufgabenträgerin ausgearbeitet. Zentrale Ziele waren dabei: feste Linien einzurichten, eine einheitliche Taktung zu haben, Verbindungen unterschiedlicher Stadtteile (durchbindende Linien) zu schaffen. Des Weiteren bisher nicht angeschlossene Gebiete anzubinden, Haltestellen beidseits an der gleichen Stelle zu verorten und Umstiegsbeziehungen deutlich zu verbessern (die durch die 30minütige Taktung nun für Vielfahrer und Umsteiger viel besser verzahnt sind). Schließlich war die Entlastung des
weiteres Ziel sowie die Berücksichtigung der Tempo 30 Zonen bei den anzusetzenden Fahrtzeiten.
Die Ausarbeitung und das Ergebnis des neuen Stadtbusnetzes wurden vor Beratung in den städtischen Gremien ausführlich mehrfach im Aufsichtsrat der Stadtwerke vorgestellt und beschlossen. Zu dem neuen System wurde der Nahverkehrsbeirat am 18.07.2024 angehört und hat seine Zustimmung erteilt. Träger öffentlicher Belange, insbesondere Verkehrsbehörde und Umlandgemeinden, angehört. Die Planungen wurden dort größtenteils positiv aufgefasst, auch wenn dies in der Öffentlichkeit dann teilweise anders kommuniziert wurde. Änderungsvorschläge wurden, soweit möglich, aufgenommen und berücksichtigt.
Anhand dieser objektiven Parameter erfolgte die Linien- und Haltestellenplanung im Stadtgebiet, die mit BV 0330/2024 am 24.09.2024 seitens des Stadtrats beschlossen wurde. Eine Kombination aus altem und neuem Netz ist nicht möglich, da beide auf grundlegend unterschiedlichen Konzepten basieren. Diese lassen sich nicht ohne Weiteres miteinander verknüpfen oder in Einzelteile zerlegen. In der ÖPNV-Planung bestehen zahlreiche Wechselwirkungen, die berücksichtigt werden müssen – Änderungen an einer Stelle haben oft Auswirkungen auf das gesamte Netz und sind nicht ohne weiteres von außen erkennbar.
- Die Flexicard wird als bewährtes Zahlungsmittel wieder ins Portfolio aufgenommen, falls die technische Ausstattung dafür noch zur Verfügung steht.
Antwort: Eine Nutzung der Ticketbox ist künftig nicht mehr möglich, da die neuen Busse, die im Oktober in Betrieb genommen werden, nicht mehr mit diesen Geräten ausgestattet sind. Die Stadtwerke Schweinfurt haben sich bewusst gegen die Beschaffung neuer Ticketboxen entschieden, da die Anschaffungskosten bei rund 8.000 € pro Stück liegen und Tablets eine deutlich kostengünstigere Alternative darstellen.
Zudem ist die Flexicard im Verbundtarif nicht vorgesehen. Sollte die Stadt Schweinfurt diese als sogenannten Haustarif einführen wollen, müssten die daraus entstehenden Einnahmeausfälle der Stadtwerke durch die Stadt Schweinfurt mit Haushaltsmitteln ausgeglichen werden – dies ist jedoch im aktuellen Haushalt nicht zusätzlich darstellbar. Neben finanziellen Fragen gibt es auch technische Herausforderungen. Die Flexicard war auf Tarifzonen begrenzt, daher waren nur 3 unterschiedliche Karten im Stadtbusgebiet notwendig. In der Wabenlogik des NVM müsste es für alle möglichen Relationen eine eigene Karte geben, das wären 66 verschiedene Karten. Damit ist eine Umsetzung im Bediengebiet bereits zu hinterfragen und eine Ausweitung auf den gesamten Verbundraum auszuschließen.
Weiterhin wird das System von SWeasy bis Ende 2026 zu einem verbundweiten System (NVMeasy) ausgebaut. Zudem zeigt das bundesweite und darüber hinaus gehende Brancheninteresse (u.a. Düsseldorf, Regensburg, Augsburg, Stuttgart, Vorarlberg (Österreich), …) an SWeasy, dass es sich um ein System der Zukunft handelt, welches sich auch dank der Weiterentwicklungen in Schweinfurt zu etablieren beginnt.
- Nicht nur Smartphone-Nutzer, sondern auch Fahrgäste, die mit Flexicard, Prepaid-Karte oder Bankkarte zahlen, können Rabatte (z.B. 6er-Karte) erhalten.
Antwort: Der Busverkehr der Stadtwerke wird im Nahverkehrsverbund Mainfranken (NVM) abgewickelt. Laut Kooperationsvertrag (Stadtratsbeschluss 437/2024 vom 28.10.2024) liegt die Tarifhoheit beim Verbund. Im zeitgleich beschlossenen Konsortialvertrag zum NVM ist geregelt, dass es einen einheitlichen Wabentarif gibt, dessen Änderung nur einstimmig beschlossen werden kann. Die einzelnen Aufgabenträger können eigene Tarife nur dann individuell festlegen, wenn eine komplette Übernahme der Mehrkosten durch den Aufgabenträger erfolgt.
Zudem müssten geeignete Vertriebswege aufgebaut und deren Finanzierung gesichert werden. Aufgrund der aktuellen Haushaltslage, die prognostisch auch in den nächsten Jahren keine wesentliche Verbesserung erreichen wird, kann eine solche individuelle Lösung mit erheblichem finanziellen und personellen Mehraufwand nicht empfohlen werden.
Beschlussvorschlag:
Der Antrag wird aus den genannten Gründen abgelehnt.
Änderungen im Stadtbusnetz 2.0 – Zustimmung zur Empfehlung des Aufsichtsrats der STWSW
Sachdarstellung: Die Stadtwerke Schweinfurt möchten folgende Änderungen in Fortentwicklung des Stadtbusnetzes 2.0 vornehmen. Der Aufsichtsrat empfahl in seiner Sitzung am 23.07.2025 der Gesellschafterversammlung, den Änderungsvorschlägen der Stadtwerke Schweinfurt GmbH zuzustimmen.
Hintergrund: Die Zahl der Kundenbeschwerden ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung sowie in der Presse hat sich die Lage weitgehend beruhigt. Kritische Stimmen äußerten Vorwürfe, insbesondere zu angeblich gestiegenen Kosten, Unzufriedenheit beim Fahrpersonal, mangelnder Systemstabilität, Problemen bei der Bedienung des Abrechnungssystems, anhaltender Beschwerdeintensität oder schlechter Pünktlichkeit. Die Stadtwerke haben sich in Abstimmung mit der Aufgabenträgerin Stadt Schweinfurt diese Kritik im Detail angeschaut und soweit sie aus ihrer Sicht berechtigt war, in die Fortschreibung mit aufgenommen.
Das Abrechnungssystem SWeasy hat sich im operativen Betrieb bewährt. Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden wurden aufgenommen und fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein. Der Webshop zur Aufladung von Prepaidkarten wurde erfolgreich gestartet. Auch die anfänglich hohe Nachfrage bei der Kartenausgabe hat sich inzwischen normalisiert. Die Installation der Validatoren am Roßmarkt ist abgeschlossen, der Anschluss an das System erfolgt derzeit. Die Anzeige des Restguthabens auf der Prepaidkarte wird voraussichtlich innerhalb der nächsten vier Wochen möglich sein. Darüber hinaus befindet sich die Integration von Apple Express Transit in der Umsetzung. Die Zahlung mit Sparkassenkarten ist grundsätzlich funktionsfähig, nur vereinzelt treten noch kleinere technische Probleme auf, die sukzessive behoben werden. Bundesweites Brancheninteresse an SWeasy belegt, dass es sich um ein System der Zukunft handelt, welches sich auch dank der Weiterentwicklungen in Schweinfurt zu etablieren beginnt.
Auch im Rahmen des Projekts Stadtbusnetz 2.0 wurde bereits auf Rückmeldungen der Fahrgäste reagiert. Erste Optimierungen wurden bereits zum Januar und März dieses Jahres umgesetzt. Weitere Anpassungen am Netz werden in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat, der Aufgabenträgerin sowie der Gesellschafterversammlung vorgenommen.
Umfangreiche Veränderungen
Die nachfolgenden Veränderungsvorschläge basieren auf den Betriebserfahrungen seit Jahresbeginn sowie auf Rückmeldungen von Fahrgästen, politischen Gremien, der Öffentlichkeit und der Presse. Die Stadtwerke Schweinfurt (STWSW) haben diese Vorschläge aus verkehrlicher und betrieblicher Sicht umfassend geprüft und bewertet und sprechen eine Empfehlung zur Umsetzung folgender Vorschläge aus:
Linie
Vorhaben
Begründung Fahrplanung
100
13:38 ab Nußbergstraße
Fahrt hat im Fahrplan gefehlt und wird ergänzt.
Angebotserweiterung Samstag
30-Minuten-Takt ab 06:40 und 20-Minuten-Takt ab 08:01 wegen erhöhter Nachfrage.
120
Mo-Fr ab 18:30 in Richtung Roßmarkt/Oberndorf zeitlich verschieben
Durch die Verschiebung wird eine regelmäßigere Verbindung zwischen Hochfeld und Roßmarkt sowie zwischen Roßmarkt und Hauptbahnhof erreicht. Fahrgäste in Richtung Oberndorf haben weiterhin die Alternative Linie 170 als Teil des Anschlusses.
110 und 140
Linien werden ab Roßmarkt in Richtung Hainig/Kesslerfield kombiniert
Fahrtzeit auf Linie 110 war nicht ausreichend. Um Fahrzeugneutralität zu gewährleisten, erfolgt Zusammenlegung. Nachteile: Längere Reisezeiten für Fahrtgäste Richtung Kesslerfield. Wegfall Anschluss in Richtung Sennfeld (140) alle 30 Min.
140
Ringlinie (neu)
Erforderlich wegen Kombination Linien 110 und 140. Längere Umsteigezeiten am Roßmarkt für Fahrgäste, die auf der Strecke zusteigen. Taktreduzierung auf 60 Minuten.
145
Ringlinie (neu)
Verstärkerlinie für Hafen Ost, als Ersatz für die Taktreduzierung der Sennfeld-Linie (140).
130
Zusätzliche Haltestelle im Maintal
Angebotserweiterung für Fahrgäste im Maintal.
110 und 120
Wochenende: Wildpark und Silvana verzahnen
Mehr Möglichkeiten ab Roßmarkt zum Silvana bzw. zum Wildpark. Bessere Anbindung des Hochfelds am Wochenende, da die Fahrten verzahnt sind.
180
Sonnenteller Dittelbrunn über die B 286
Sperrung der regulären Strecke über Joachim-Ringelnatz-Straße nach Einwohnerbeschwerden. Das Gebiet Eselshöhe 2 West wird mit der Linie 130 und nicht mehr zusätzlich mit der 180 bedient.
Streichung Haltestelle Schleifweg (Endstation Dittelbrunn)
Wurde von Fahrgästen nicht gut angenommen
Neu Haltestelle Eibenstraße
Neue Ausstiegsmöglichkeit stadtauswärts zur Vermeidung des „Mitfahrens“ der Schleife.
Zusätzliche Haltestelle „In der Galgenleite“
Angebotserweiterung für Fahrgäste im Bereich „Alter Wartweg“
Zusätzliche Haltestelle Mainberg stadteinwärts
Liegt auf der Strecke und kann ohne Verzögerung angefahren werden
Neue Fahrstrecke Schonungen-Mainblick
Bessere Möglichkeiten des Zusteigens für Fahrgäste. Diese Maßnahme wurde mehrfach mit Bürgermeister Rottmann persönlich abgestimmt.
170
Grafenrheinfeld-Roßmarkt: Veränderung der regulären
Strecke über die Werkstraße anstatt über die Würzburger Straße
Linienführung aufgrund Baustellentätigkeit über die Werkstraße bereits seit Januar 2025. Hierdurch mehre Möglichkeiten für Fahrgäste in Oberndorf 1x Richtung Ernst-Sachs-Str. und 1 x Richtung Hbf. zu fahren. Haltestelle „Am Oberndorfer Weiher“ hätte einen besseren Standort. Beschwerden der Anwohner der Würzburger Straße entfallen.
alle Linien
Takterhöhung Mo – Fr 05:30 Uhr
30 Minutentakt bereits ab 05:30 Uhr statt 06:30 Uhr
alle Linien
Umsteigezeiten am Roßmarkt auf allen Linien, wo möglich, von 5 Min. auf 7 Min. erhöhen
Verbesserung der Anschlüsse (Maßnahme in Stadtratssitzung am 28.01.2025 vorgestellt)
alle Linien
Verlegung Wartehäuschen nicht mehr angefahrener Haltestellen
Testphase Stadtbusnetz 2.0 abgeschlossen. Komforterhöhung für Fahrgäste durch Verlegung Wartehäuschen an neue Haltestellen.
Beschlussvorschlag: Der Stadtrat stimmt den empfohlenen Anpassungen zu. Die Verwaltung wird beauftragt, die nötigen Änderungen an der Betrauung vorzunehmen.



Frau Dr Schneider hatte keinesfalls erwähnt, dass 8 Haltestellen am Steinberg auf 1 zusammengelegt wurden. Sie meinte lediglich, dass sie im Umkreis von 500 Metern (Deutschhof bis Eselshöhe/Haardt) aufgrund der Taktverschiebung mehrere Linien nutzen konnte. (Linien 41, 42, 44, 51, 52). Zwar nicht gerade glaubwürdig, dass „Oma Erna“ früher von der Adolf Kolping Straße zum Steinberg läuft und die ehemals „8 Möglichkeiten“ sicherlich eine Hyperbel. Im Bereich Steinberg wurden soweit ich weiß keine Haltestellen gestrichen (maximal um 50m verlegt)