Langes Bangen, dann der Jubel: Bad Königshofen nutzt auch Matchball zwei nicht, bekommt dann aber Schützenhilfe

Langes Bangen, dann der Jubel: Bad Königshofen nutzt auch Matchball zwei nicht, bekommt dann aber Schützenhilfe
Foto: Rudi Dümpert

BAD KÖNIGSHOFEN – Nach Dramatik sah es rein gar nicht aus, eher danach, als würde eine eigentlich rundum erfolgreiche Saison doch ein wenig enttäuschend enden. Denn aus eigenen Kräften verpasste der TSV Bad Königshofen den abermaligen Einzug in die Play-Off-Endrunde der Tischtennis-Bundesliga.

Den zweiten eigenen Matchball vergaben die Grabfelder deutlich. Beim 0:3 gegen den auf Rang drei vorbei gezogenen 1. FC Saarbrücken verlor zunächst Bastian Steger deutlich gegen Ovidiu Ionescu mit 0:3, ehe Filip Zeljko gegen den Ex-TSV´ler Darko Jorgic einen 0:2-Satzrückstand zunächst ausglich, um im finalen mit 4:11 dann doch klar zu unterliegen. Und nach der Pause verspielte Jin Ueda eine 1:0-Führungen gegen Patrick Franziska in ein 1:3. Das war der letzte Auftritt des Japaners für Bad Königshofen.

Nein, war es nicht. Denn im Parallelspiel in Mühlhausen in Thüringen gewann zwar Weltklasse-Mann Dimitrij Ovtcharov seine Einzel für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell zwar, für die Hessen, die einfach nur gewinnen mussten, unterlagen aber Kao Cheng-Jui und Fanbo Meng deutlich mit 0:3. Und so musste das Doppel entscheiden, als in Bad Königshofen längst schon Schluss war.

Ovidiu Ionescu trat mit Daniel Habesohn an, der zuvor 0:3 gegen Ovtcharov verloren hatte. Ausgerechnet Habesohn, der nächste Saison für Bad Königshofen spielen wird. Und siehe da: Beide schlugen das Duo Cheng-Jui/Fanbo Meng mit 3:1. Somit landete Fulda trotz Dimitrij Ovtcharov nur auf Rang fünf, die Unterfranken wind Vierter und treffen nun im Halbfinale wie schon letzte Saison auf Borussia Düsseldorf um Timo Boll auf seiner Abschiedstour.

TSV Bad Königshofen – 1. FC Saarbrücken TT 0:3
Bastian Steger – Ovidiu Ionescu 0:3 (9:11, 9:11, 5:11)
Filip Zeljko – Darko Jorgic 2:3 (6:11, 7:11, 11:5, 11:9, 4:11)
Jin Ueda – Patrick Franziska 1:3 (11:9, 9:11, 9:11, 6:11)
Zuschauende: 821

Und hier noch der ausführliche Bericht vom TSV-Insider Rudi Dümpert:

Verloren und dennoch glücklich

Der TSV Bad Königshofen zieht nach 0:3 gegen Saarbrücken durch Mühlhausens Hilfe in die Play-Offs ein

Am Ende dieses letzten Hauptrundenspiels in der TTBL stand für den TSV Bad Königshofen nach einer grandiosen Saison mit lange Zeit glänzenden Aussichten auf die Playoffs eine ernüchternde 0:3-Niederlage. Depression keineswegs unter den 821 Zuschauenden: Zunächst Anerkennung für ein weiteres Jahr Weltklassesport vor Ort, dann die Verabschiedung von Kilian Ort, Jin Ueda und Martin Allegro.

Und dann der Mutmacher von Hallensprecher Jürgen Halbig, die Kuh sei noch nicht vom Eis. „Warten wir mal ab, was Post SV Mühlhausen macht“, vielleicht könne ja der thüringische Nachbar den TSV doch noch in jene Playoffs durch lotsen, indem er dessen Konkurrenten TTC Fulda besiegen würde.

Der Traum war also trotz bösen Erwachens immer noch nicht ausgeträumt. Na klar, hatten doch viele Fans in der Arena den Liveticker von Mühlhausen mit im Visier, als die Hoffnungen auf Selbsthilfe die Saale runter flossen. Da führten die „Postler“ nämlich gerade mit 2:1. Doch dann unterlag dort Steffen Mengel gegen Ovtcharov, und das Doppel musste entscheiden. Als das eigene Spiel und jene Verabschiedungen beendet waren, kamen mehr als die Hälfte von der Haupttribüne, ab sofort „Kilian-Ort-Tribüne“ genannt, herunter aufs Spielparkett, um das auf einer Großbild-Leinwand live übertragene Spiel aus Mühlhausen bis zu dessen süßem Ende hautnah zu verfolgen. So großer Jubel wurde einer anderen Mannschaft in einer anderen Halle im Tischtennis und im Sport allgemein selten zuteil.

Als dort in der Post-Halle nämlich der ab 1. Juli Neu-Königshöfer Daniel Habesohn zusammen mit Ovidiu Ionescu gewonnen hatte, gab es hier in der Shakehands-Arena doch noch den finalen, ausgelassenen Jubel über das Erreichen des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft – wieder, wie im Vorjahr, gegen Borussia Düsseldorf: 11. April, selbe Stelle, selbe Welle.

Dazu gab´s Snacks und Freigetränke jeder Art für jedermann sowie Jubel-Arien von „Oh, wie ist das schön“ bis „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ Dazu ließ man den „Post Ess Vaau“ virtuell hochleben und dankte Daniel „Ha-be-soohn“ für sein Einstandsgeschenk an den TSV: Happy End einer Saison, in der man an drei Vierteln aller Spieltage und bis zuletzt in den Top 4 aufgehalten hatte. Während Saarbrücken erst auf den allerletzten Drücker auf den Playoff-Zug aufgesprungen war.

Dann lachten auch die Steger, Ueda, Zeljko und Allegro wieder, die zuvor, trotz keinen Deut weniger guter Leistungen als sonst, von dem überragenden Champions League Sieger aus dem Saarland förmlich überrollt worden waren – vielleicht auch ein bisschen von den eigenen Nerven.

Daran konnte auch die größte Routine und Erfahrenheit aller sechs Protagonisten in solchen Momenten von Bastian Steger nichts ändern. Ihn hatte Koji Itagaki diesmal an Position eins beordert. Im Eröffnungseinzel gegen den rumänischen Nationalspieler Eduard Ionescu (20), einen der am Tischtennis-Himmel aufgehenden jungen Sterne, war er in den ersten beiden Sätzen jeweils bis 9:9 nicht nur dabei, sondern immer in Führung, um sie dann doch 9:11 zu verlieren. Ein gewisses Indiz auf das, was danach auf den TSV zukommen würde, war das sehr wohl. Im Hinspiel hatte man die Saarländer ja noch besiegt. Auch Filip Zeljko diesen Ionescu.

Doch im Aufstellungspoker haben die Gegner der Königshöfer immer den Vorteil, es nur mit drei TSV-Spielern zu tun zu haben. Saarbrücken kam mit sechs Nationalspielern aus vier Ländern angereist. Und so durfte Zeljko eben nicht gegen Ionescu ran, sondern gegen seinen Vorgänger im TSV-Trikot im ersten Bundesliga-Jahr 2017/18 Darko Jorgic, zurzeit die Nr. 13 der Welt, in der TTBL aber mit 10:12-Bilanz. Doch hier präsentierte sich Darko seinem ehemaligen Publikum in aufsteigender Glanzform. Als er Filip die ersten beiden Sätze abgeknöpft hatte, stand es 0:5 nach Sätzen. Das zehrte und nagte an der Verfassung der Gastgeber. Nicht an jener der Fans, die ja so was von geschlossen mit aufmunterndem Beifall bis zum letzten Ballwechsel hinter den Königshöfern standen. Sie puschten Filip zum Satzausgleich nach vorne, im fünften hatte er aber keine Chance mehr – 0:2.

Jetzt sollte also Jin Ueda gegen Patrick Franziska, viele Jahre Deutschlands Nummer 3 hinter Ovtcharov und Boll, aktuell Nr. 8 der Welt, die Kastanien aus dem Feuer holen, den Anschluss wieder herstellen. Unterstützt wurde er dabei von Fans aus Österreich mit einem Riesen-Transparent, „Wiener Neustadt grüßt Jin Ueda – immer in unseren Herzen“. Dort hielt er sich ein halbes Jahr lang in der Champions League fit, als er wegen eines Wechselfehlers in der TTBL noch gesperrt war. Es nützte alles nichts. Er verlor, doch es sollte doch nicht sein letztes Spiel in der Arena sein. Am 11. April schmeißt er noch mal den Hut in den Ring – in den Play-Offs gegen Düsseldorf.

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